Neue WHO-Erkenntnisse Covid-19-Erkrankung dauert bis zu sechs Wochen

Italien kämpft gegen den ersten großen Covid-19-Ausbruch in Europa. Gleichzeitig hat die WHO neue Erkenntnisse über die Erkrankung veröffentlicht - verbunden mit guten Nachrichten aus China.
Angestellte vor einem Krankenhaus in Norditalien

Angestellte vor einem Krankenhaus in Norditalien

Foto: NICOLA FOSSELLA/EPA-EFE/REX

Während Europa versucht, seinen ersten großen Covid-19-Ausbruch einzudämmen, scheint sich die Lage in China etwas zu entspannen. Die Epidemie des neuartigen Coronavirus habe dort zwischen dem 23. Januar und dem 2. Februar ihren Höhepunkt erreicht, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Seitdem gehe die Zahl der Erkrankten zurück. Trotzdem wurden auch in der vergangenen Nacht mehr als 400 neue Infektionen in China gemeldet, die Zahl der Todesfälle stieg um 150 auf mehr als 2500 an.

Die Aussage ist Teil der Ergebnisse einer Expertenkommission der WHO, die nach China gereist war. Neben Informationen zur Verbreitung des Virus lieferte sie auch neue Erkenntnisse zur Gefahr durch die Erkrankung.

Betroffene mit einem leichten Krankheitsverlauf erholten sich demnach in der Regel innerhalb von zwei Wochen von der Infektion, erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Bei Menschen mit einem schweren Krankheitsverlauf dauere es zwischen drei und sechs Wochen, bis die Krankheit wieder abklinge. Wahrscheinlich sind die Betroffenen während der gesamten Erkrankungszeit auch ansteckend.

Wuhan: Zwei bis vier Prozent sterben

Auch zur Wahrscheinlichkeit, an der Infektion zu sterben, veröffentlichte die WHO neue Schätzungen. Demnach liegt die Letalität in der besonders betroffenen chinesischen Stadt Wuhan bei zwei bis vier Prozent. Außerhalb Wuhans sterben den Zahlen zufolge rund 0,7 Prozent der Infizierten. Am Dienstag will die WHO einen detaillierteren Bericht der Kommission vorstellen.

Daneben äußerte sich WHO-Chef Tedros zur weltweiten Covid-19-Situation. Sorge bereiten aktuell vor allem Ausbrüche in Italien, Iran und Südkorea. In allen drei Ländern wurden Infektionen entdeckt, deren Ursprung unklar ist.

Trotz der rasanten Ausbreitung stufe die WHO die aktuelle Situation noch nicht als Pandemie ein, erklärte Tedros. Das Wort Pandemie steht für einen weltweiten Krankheitsausbruch, bei dem sich ein Erreger in vielen Ländern unkontrolliert verbreitet. Die Welt müsse aber alles dafür tun, sich auf eine mögliche Pandemie vorzubereiten, so Tedros weiter. Die "plötzliche Zunahme" der Infektionsfälle in Italien, in Iran und in Südkorea innerhalb weniger Tage bezeichnete er als "zutiefst besorgniserregend".

Eindämmen von Covid-19: Schnelligkeit ist am wichtigsten

WHO-Experte Bruce Aylward, der die gemeinsame Expertenkommission der WHO und Chinas zur Coronavirus-Epidemie leitet, lobte unterdessen die "kühne" Reaktion Chinas auf den Ausbruch. Mit seinen drastischen Maßnahmen habe China möglicherweise Hunderttausende Fälle von Covid-19 verhindert, sagte Aylward.

Bei den Erfahrungen in China habe sich gezeigt, dass im Kampf gegen das neuartige Coronavirus Schnelligkeit am wichtigsten sei, fügte der WHO-Experte hinzu. Sorge bereite ihm daher vor allem, ob diese Botschaft auch im Rest der Welt angekommen sei.

Das neuartige Coronavirus, auch Sars-CoV-2 genannt, war im Dezember in China erstmals bei Menschen festgestellt worden. Die Volksrepublik reagierte mit drastischen Schutzmaßnahmen: Ganze Städte wurden abgeriegelt und damit 56 Millionen Menschen praktisch unter Quarantäne gestellt.

Inzwischen sind mehr als 77.000 Menschen in China mit dem Virus infiziert. Daneben hat sich der Erreger, der die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, auf mehr als 30 weitere Länder ausgebreitet.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

irb/AFP
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