Immunität Erster Fall von erneuter Infektion mit Sars-CoV-2 bestätigt

Ein Mann aus Hongkong hat sich nachweislich zum zweiten Mal mit dem Coronavirus infiziert: Nach einer Spanienreise wurde ein anderer Virustyp bei ihm nachgewiesen als bei seiner ersten Erkrankung.
Illustration des Coronavirus Sars-CoV-2

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Foto: Bertrand Blay / iStockphoto / Getty Images

Im März kam ein 33-Jähriger in Hongkong mit Halsschmerzen, Husten, Fieber und Kopfschmerzen ins Krankenhaus. Der Befund lag nahe, das Ergebnis seines PCR-Tests auf Sars-CoV-2 war positiv. Er erholte sich schnell, die Symptome dauerten nur etwa drei Tage.

Der selbe Mann flog nun im Sommer in den Urlaub nach Spanien. Mitte August reiste er über Großbritannien wieder zurück nach Hongkong. Bei der Einreise ließ sich der 33-Jährige am Flughafen testen. Rund viereinhalb Monate nach seiner ersten Infektion erhielt der Mann erneut ein positives Testergebnis. So beschreiben es Hongkonger Wissenschaftler in einem Fallbericht, der in mehreren Medien kursiert und unter anderem von einer Journalistin der "South China Morning Post" teilweise auf Twitter veröffentlicht wurde.

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Die Journalistin behauptet, der Artikel sei vom Fachjournal "Clinical Infectious Diseases" akzeptiert worden. Das Blatt konnte das auf Nachfrage des SPIEGEL jedoch nicht bestätigen. Zudem sind auf Twitter nur die Ergebnisse der Untersuchung zu sehen, nicht aber der vollständige Bericht. Bei einer Pressekonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittag bestätigte jedoch die Coronavirus-Expertin Maria van Kerkhove, eine entsprechende Pressemitteilung gelesen zu haben.

Stimmen die Angaben, wäre das der erste nachgewiesene Fall einer Reinfektion mit Sars-CoV-2 weltweit. Die Hongkonger Wissenschaftler beschreiben in dem Paper, dass der 33-jährige IT-Fachmann bei seiner ersten Erkrankung Symptome hatte, seine zweite Infektion jedoch symptomfrei verlaufen sei. Nach seiner Urlaubsreise und dem erneuten positiven Test sei er ins Krankenhaus gekommen - jedoch weiterhin ohne Symptome. Alle Untersuchungen seien dort unauffällig gewesen. Bis auf einen erhöhten Wert von C-reaktiven Proteinen, die auf eine Entzündung hinweisen.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Fälle, bei denen eigentlich genesene Patienten von erneut positiven Testergebnissen berichteten, teils Monate nach ihrer ersten Infektion. Doch Wissenschaftler sind sich uneinig, ob sie sich tatsächlich erneut infiziert haben oder ob die Infektion lediglich über einen längeren Zeitraum im Körper schlummerte und dann wieder aufflammte.

Im Hongkonger Fall haben die Forscher nun die Genomsequenzen des Virus untersucht, das bei dem 33-Jährigen entdeckt wurde. Und zwar die seiner ersten Infektion im März und die der aktuellen Infektion. Dabei fanden sie heraus, dass es sich um zwei unterschiedliche Virustypen handelt. Das erste Virusgenom sei den Sequenzen ähnlich, die im März und April auch in den USA und England aufgetaucht seien. Das zweite ähnele denen, die im Juli und August in der Schweiz und in England aufgetaucht seien, berichten die Forscher.

Diese Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass es sich bei der zweiten Infektion um eine Reinfektion handle und nicht, wie zuvor häufig angenommen, um eine verlängerte oder wieder auftretende Virusausscheidung. Zudem gebe es weitere Hinweise darauf, dass sich der Mann ein zweites Mal mit Sars-CoV-2 angesteckt habe: Seine klinischen Befunde legten nahe, dass es sich bei seinem zweiten Krankenhausaufenthalt um eine aktive Infektion gehandelt habe.

Erkenntnisse im Kontext sehen

Langzeit-Antikörper gegen das Virus seien nicht in seinem Blut nachgewiesen worden. Das könne mit dem vergleichsweise milden Verlauf seiner ersten Infektion zusammenhängen, schreiben die Wissenschaftler. Es sei bekannt, dass Menschen mit milden Verläufen nicht so viele Antikörper bildeten wie solche mit schweren Verläufen.

"Wir wissen inzwischen, dass Patienten nach einer Infektion Antikörper bilden, wir wissen aber nicht, wie stark diese Immunantwort ist und wie lange sie anhält", sagte WHO-Expertin van Kerkhove in der Pressekonferenz. Die Studie der University of Hong Kong könnte ein Beispiel für eine Reinfektion sein, sagte van Kerkhove. Es sei wichtig, solche Fälle zu dokumentieren, doch ebenso sei es wichtig, solche Erkenntnisse in den richtigen Kontext zu setzen. Es sei bisher der eine bekannte Fall, und man wisse noch nicht, wie häufig das vorkomme. Langzeitstudien müssten daher herausfinden, wie häufig diese Fälle tatsächlich auftreten. "Wir müssen das auf einer Bevölkerungsebene betrachten", sagte sie.

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Die Beobachtungen könnten dennoch wichtig beim Verständnis des Virus und der Pandemie sein. Bisher gibt es die Hoffnung, dass Infizierte nach überstandener Krankheit zumindest für einen gewissen Zeitraum immun gegen Sars-CoV-2 sind. Wenn sich Patienten nun erneut infizieren können, wäre diese Hoffnung dahin. Weiterhin spielt der Bericht bei der Suche nach einem Impfstoff eine große Rolle: Denn möglicherweise schützen die Vakzine nicht ein Leben lang vor dem Coronavirus. Die Hongkonger Forscher schlagen daher vor, genesene Covid-19-Patienten in ihre Studien mit einzubeziehen.

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