Coronavirus Forschungsorganisationen legen Konzept zur Eindämmung von Covid-19 vor

Vier große Forschungsgemeinschaften haben gemeinsam eine Stellungnahme erarbeitet, wie Deutschland aus ihrer Sicht Covid-19 am besten eindämmen könnte.
Selbst genähte Masken als Mund- und Nasenschutz hängen vor einer Änderungsschneiderei in Berlin

Selbst genähte Masken als Mund- und Nasenschutz hängen vor einer Änderungsschneiderei in Berlin

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Jens Kalaene/ DPA

Die Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck-Gesellschaft haben gemeinsam eine Stellungnahme  herausgegeben, auf welchem Weg die Covid-19-Epidemie in Deutschland aus ihrer Sicht eingedämmt werden könnte.

Die Forscherinnen und Forscher stellen fest, dass es mit den bisherigen Maßnahmen gelungen ist, die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland zu senken. Die Lage sei allerdings nicht stabil, warnen sie. Ihrer Argumentation zufolge sind weder das Erreichen einer Herdenimmunität noch eine vollständige Ausrottung des Virus aktuell sinnvolle Ziele.

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Denn eine Herdenimmunität sei nach den vorliegenden Daten erst nach einem Zeitraum von einigen Jahren erreichbar, wenn das Gesundheitssystem nicht überlastet werden soll, heißt es in der Stellungnahme. Dies würde zu vielen Todesfällen führen und zusätzlich müssten die gesamte Zeit über weiter harte Einschränkungen herrschen. Eine vollständige Ausrottung des Virus halten die Experten derzeit nicht für realistisch.

Deshalb schlagen sie einen anderen, zweistufigen Weg vor:

  1. Die Zahl der Neuinfektionen müsse so weit reduziert werden, dass eine effektive Kontaktverfolgung möglich ist, dass also bei jeder bekannten Infektion alle Kontaktpersonen gezielt in Quarantäne gehen können. Bis dies gelungen ist, müssen Einschränkungen weiter bestehen. Gleichzeitig werden in dieser Phase Kapazitäten für die Kontaktverfolgung aufgebaut, was in der anschließenden Phase wichtig wird.

  2. Ist die Zahl der Neuinfektionen hinreichend klein, können die Kontakteinschränkungen nachhaltig gelockert werden, erwartet das Forscherteam. Dennoch sind weiter eine Reihe von Maßnahmen nötig, um die Epidemie weiter einzudämmen. Zum einen Hygiene, also etwa das Tragen von Mund-Nasen-Schutz. Zum anderen das konsequente Testen bei Verdacht auf Corona-Infektionen sowie die Kontaktverfolgung samt Quarantäne. Mithilfe sogenannter Querschnittstests sollen zudem Infektionen entdeckt werden, bei denen die Betroffenen keine oder kaum Symptome bemerken.

Verfasst haben die Stellungnahme drei Forscherinnen und ein Forscher der vier Organisationen. Sie weisen auch auf die Grenzen ihres Vorschlags hin: "Wir möchten betonen, dass unsere Expertise und Perspektive die der theoretischen Epidemiologie ist. (...) Wir können und wollen ausdrücklich keine Güterabwägung treffen. Wir hoffen, dass unsere Zusammenfassung dazu beiträgt, in einem interdisziplinären Austausch eine gangbare Strategie zu finden, die von der Gesellschaft als Ganzes getragen wird."

Jetzt ist es an der Politik, den Vorschlag der Epidemiologen zu bewerten.

wbr
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