Lagebericht des RKI Infektionsgeschehen zieht an – Coronasubtyp BA.5 legt weiter zu

Höhere Inzidenzen, mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen, wieder mehr Patienten mit Covid-19 auf Intensivstationen: Der aktuelle Wochenbericht des Robert Koch-Instituts zeichnet ein wenig positives Bild.
Coronatest in Berlin (Symbolbild)

Coronatest in Berlin (Symbolbild)

Foto: Christophe Gateau / dpa

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat seinen Wochenbericht zur aktuellen Coronalage vorgestellt. Es berichtet darin unter anderem von höheren Inzidenzen, mehr Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen und von einer zunehmenden Zahl von Patienten mit Covid-19 auf Intensivstationen.

Bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gab es in der vergangenen Woche einen Anstieg um 38 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, wie aus dem Wochenbericht hervorgeht.  Demnach betraf dieser Anstieg alle Altersgruppen, insbesondere ältere Menschen, Kinder und Jugendliche. Die Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche an.

Auch bei der Zahl der Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen und der Zahl auf Intensivstationen behandelter Menschen mit Covid-19 gab es dem Bericht nach in der vergangenen Woche erneut ein deutliches Plus. Die Zahl der Patienten auf einer Intensivstation lag laut Divi-Intensivregister am Donnerstag bei 934 – im Vergleich zu gut 600 Patienten zu Monatsbeginn.

Zudem hat die seit einiger Zeit in Deutschland dominierende Omikron-Subvariante BA.5 laut Wochenbericht zuletzt noch einmal zugelegt. Ihr Anteil habe nach jüngsten Erkenntnissen – einer Stichprobe von vorletzter Woche – knapp 66 Prozent betragen. In der Woche davor hatte der Anteil von BA.5 bei etwa 52 Prozent gelegen.

Wie die RKI-Experten schreiben, setzte sich zuletzt auch der Anstieg der Variante BA.4 fort, allerdings weniger stark als in den vorigen Wochen. Er lag demnach den jüngsten Erkenntnissen nach bei etwa 7 Prozent. In Deutschland wird nur bei einem kleinen Teil positiver Proben das Erbgut komplett untersucht.

»Somit folgen die Anteile der Omikron-Sublinien in Deutschland dem Trend in vielen anderen Ländern«, hieß es. Die sogenannten Spike-Proteine von BA.4 und BA.5 wiesen nach aktuellem Kenntnisstand Eigenschaften auf, »die mit erhöhter Übertragbarkeit und/oder Immunflucht in Zusammenhang gebracht werden«. Die bisher vorliegenden epidemiologischen Daten ließen aber nicht darauf schließen, dass Infektionen mit BA.4 oder BA.5 schwerere Krankheitsverläufe oder anteilig mehr Todesfälle verursachten als zuvor BA.1 und BA.2, schreiben die Experten im Bericht.

Dennoch: Allein durch die starke Zunahme der Infektionsfälle sei aktuell auch eine höhere Zahl schwerer Verläufe zu sehen – die sich in der steigenden Anzahl an Hospitalisierungen ausdrücke. »Ein Anstieg der Sterbefallzahl deutet sich mit Hinblick auf zu erwartende Nachmeldungen an«, mahnt das RKI.

RKI meldet für Freitag 113.099 Neuinfektionen

Am frühen Freitagmorgen veröffentlichte das RKI zudem seine jüngsten Zahlen zum Infektionsgeschehen . Demnach stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf 682,7. Am Vortag hatte der Wert noch bei 668,6 gelegen (Vorwoche: 618,2; Vormonat: 207). Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Expertinnen und Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem, weil bei Weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 113.099 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 108.190) und 84 neue Todesfälle (Vorwoche: 90) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier nur eingeschränkt möglich.

Expertenkommission legt Auswertung zu Pandemie-Maßnahmen vor

Am Freitagmittag legt eine Expertenkommission eine Auswertung zu den bisherigen staatlichen Corona-Beschränkungen vor. Die Ampelkoalition hat vereinbart, die wissenschaftliche Beurteilung abzuwarten, bevor über mögliche weitergehende Alltagsauflagen für den Herbst entschieden werden soll. Erwartet wird dann eine wieder kritischere Pandemie-Lage. Die Gesundheitsminister der Länder wollen sich noch am Freitag bei einer Sonderkonferenz positionieren.

aar/dpa
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