Interview mit Virologin Brinkmann »Wir brauchen jetzt einen neuen Umgang mit diesem Virus«

Inzidenzrekorde und das Ende der Maskenpflicht – wie passt das zusammen? Die Virologin Melanie Brinkmann über Fehler in zwei Jahren Pandemiepolitik, den bevorstehenden Sommer und die eigene Rolle als Mahnerin.
Ein Podcast von Yasemin Yüksel
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Julian Stratenschulte / dpa

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Deutschland steckt im dritten Pandemiejahr und die aktuellen Infektionszahlen liegen auf Rekordniveau. Hat die Bundesregierung kapituliert? »Nein, so würde ich das nicht nennen«, antwortet Melanie Brinkmann. »Aber wir brauchen jetzt auch einen neuen Umgang mit diesem Virus. Das jetzt genau auszutarieren, wie wir damit umgehen, das ist ein politischer Prozess«.

Seit inzwischen mehr als zwei Jahren ist Melanie Brinkmann selbst Teil dieses politischen Prozesses. Sie hat die Merkel-Regierung in der Pandemie beraten. Seit Dezember ist sie stellvertretende Vorsitzende des Corona-Expertenrats der neuen Bundesregierung.

In ihrem Büro an der Technischen Universität in Braunschweig erzählt die Virologin von ihrer eigenen Coronainfektion, die sie gerade überstanden hat. Es sei doch schwerer gewesen, als sie erwartet hätte. Dass die Bundesregierung sich nun ausgerechnet in diesen Tagen von der Maskenpflicht verabschiedet, hält sie angesichts der aktuell hohen Krankheitsstände in der Bevölkerung für falsch. »Das ist tatsächlich noch ein etwas zu früher Zeitpunkt. Ich hätte es für sehr sinnvoll gehalten, gewisse Maßnahmen noch aufrechtzuerhalten. Und dazu zählen ganz klar das Testen und auch das Maskentragen«.

Für die aktuelle Episode von SPIEGEL Daily haben wir mit Melanie Brinkmann über die aktuelle Coronalage gesprochen und auf zwei Jahre Pandemiepolitik zurückgeschaut. Während andere Länder das sichere Ufer schon fast erreicht hätten, sei Deutschland noch in einer Übergangsphase.

»Es wird so sein, dass wir über den Sommer weiterhin ein Infektionsgeschehen haben werden. Wir werden nicht wie die letzten Sommer ganz niedrige Infektionsgeschehen haben. Und man wird – der eine mehr, der andere weniger – immer wieder erneut Kontakt mit diesem Virus haben.«

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Für viele der unter 70-Jährigen werde die Infektion mit Omikron jetzt die vierte Impfung sein: »Auch die fünfte und sechste. Das ist jetzt genau der Zustand, den wir ja auch erreichen wollten. Wir wollten eine stabile Immunität, die vor schwerer Krankheit schützt.«

Wachsamkeit sei aber weiter wichtig. Während viele Menschen auf einen sorglosen Sommer blicken könnten, gelte das eben nicht für alle: »Wir sehen ja auch gerade in Hongkong, dass auch die Omikron-Variante zu sehr schweren Verläufen und auch zum Tode führen kann. Gerade bei den älteren Menschen und auch bei den vulnerablen Gruppen.«

Hören Sie außerdem in der neuen Podcast-Episode: Warum Melanie Brinkmann lieber auf Aufklärungspflicht statt eine Impfpflicht setzt. Welche Fehler in zwei Jahren Pandemiepolitik gemacht und sogar wiederholt wurden. Was Deutschland in der nächsten Pandemie besser machen muss und welche Bilanz sie selbst nach zwei Jahren zieht: »Das ist wirklich teilweise mittlerweile sehr schwierig geworden, und die Anfeindungen sind groß. Egal ob es um Masken geht oder um die Impfung. Der Stempel, den man auf der Stirn hat als Mahnerin und Überbringerin der schlechten Nachrichten. Ich bin nicht sicher, ob ich den jemals wieder loswerde«.

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