Leserfrage Verbreiten Klimaanlagen das Coronavirus?

Feine Virenpartikel könnten sich laut einer ersten Studie bis zu drei Stunden in der Luft halten. Besteht also das Risiko, dass Klimaanlagen das Virus in Gebäuden verbreiten?
Klimaanlagen in Shanghai, China

Klimaanlagen in Shanghai, China

Foto: Anding/ F. Berger/ imago images

Unser Leser Stefan Steinbach aus Aachen fragt: "Können Viren durch Klimaanlagen beziehungsweise Umluftanlagen beispielsweise in Supermärkten oder ähnlichen Gebäuden übertragen werden?" 

Die Antwort von Almut Cieschinger, Dokumentarin beim SPIEGEL:

Ausgeschlossen ist das nicht. Aber nach Angaben von Experten ist eine Verbreitung nur dann möglich, wenn die Anlagen nicht gut geplant und gewartet wurden.

Sars-CoV-2 gelangt vor allem über Tröpfcheninfektion von einer Person zur nächsten, zum Beispiel beim Husten oder Niesen. Zudem kann das Virus indirekt übertragen werden, indem etwa eine infizierte Person in die Hand hustet und einen Gegenstand anfasst, den wiederum jemand anderes berührt. Dieser Übertragungsweg wird Schmierinfektion genannt. Eine Übertragung durch kleinste Virenpartikel in der Luft scheint allerdings ebenfalls möglich, denn laut einer ersten, noch nicht vollständig überprüften US-amerikanischen Studie könnte das Coronavirus auch noch bis zu drei Stunden in Aerosolen infektiös sein.

Insofern ist es theoretisch denkbar, dass es auch durch Lüftungsanlagen in Räumen verteilt oder von einem Bereich in den nächsten gelangt und dort Menschen infiziert. So wird beispielsweise angenommen, dass es 2003 nach dem Ausbruch der Sars-Epidemie in einer Hongkonger Wohnanlage zu einer Verbreitung des Virus auch aufgrund defekter Bodenabflüsse und durch Abluftventilatoren gekommen war. Mehr als 300 Menschen infizierten sich dort, mehr als 30 starben .

Zuletzt machte das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" Schlagzeilen, das im japanischen Hafen von Yokohama mit zahlreichen Corona-infizierten Passagieren unter Quarantäne gestellt worden war. Hier gibt es unter anderem den Verdacht, dass sich das Virus über die zentrale Lüftungsanlage verbreiten konnte.

Eine vernünftig installierte und gewartete Lüftungsanlage kann eine Verbreitung des Virus auf der anderen Seite auch erschweren, dann nämlich, wenn verbrauchte Luft in den Räumen rasch abtransportiert und durch Luft von außen ersetzt oder zumindest hochgradig angereichert wird. Wenn in die Lüftungsanlage Systeme eingebaut sind, die die Partikel unschädlich machen oder herausfiltern, kann sich die Konzentration von Viruspartikeln sogar deutlich mindern. Virenempfindliche Partikelfilter, sogenannte Hepa-Filter, kommen allerdings in der Regel vor allem in Krankenhäusern oder Laboren zum Einsatz. Doch auch gröbere Filter können nach Angaben dreier deutscher Fachverbände für Gebäudeausrüstung  die Partikellast auch von Viren in der Luft deutlich reduzieren.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes hängt die Wirksamkeit an Planung und Wartung der Anlagen: "Wenn die Luftführung konsequent getrennt voneinander erfolgt, sodass die in einem Raum abgesaugte Luft nur indirekt mit der Zuluft über einen Wärmeübertrager in Kontakt steht und nicht in andere Räume gelangen kann, besteht kein Risiko der Übertragung von Viren im Gebäude." Durch falsche Planung oder Wartung könnten aber "Fehlströmungen" auftreten, die dazu führen, dass Abluft aus einem Gebäudebereich als Zuluft in einen anderen Gebäudebereich gelangt. Die drei deutschen Fachverbände schließen aber auch das nahezu aus: Die Systeme würden im Unterdruck betrieben, dadurch könne auch bei Lecks in den Leitungen "keine Abluft" entweichen.