Die weltweite Entwicklung von Covid-19 nach Ländern Wo sich die Lage zuspitzt und wo die Maßnahmen greifen

Der tägliche Anstieg von Corona-Infizierten beträgt in vielen Ländern um die 30 Prozent. Die Fallzahl verdoppelt sich so in weniger als drei Tagen. In den betroffenen 149 Staaten verläuft das sehr unterschiedlich. Der Überblick.
Foto:

DER SPIEGEL

Wie stark die Infektionszahlen in welchen Ländern in die Höhe schnellen oder vielleicht schon wieder abnehmen - das ist derzeit nicht leicht zu überblicken. Viele Nationen melden täglich steigende Zahlen an neu diagnostizierten Covid-19-Erkrankungen und ergreifen Gegenmaßnahmen, die mit enormen Einschränkungen des öffentlichen Lebens verbunden sind. In anderen, vor allem sehr früh betroffenen Staaten ist es hingegen gelungen, die Zahl der Neuinfektionen stark zu reduzieren. Auch hier werden die getroffenen Eindämmungsmaßnahmen allerdings nur langsam und mit aller Vorsicht zurückgefahren, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Das "Coronavirus Resource Center" der Johns-Hopkins-University in Baltimore sammelt zentral weltweite Zahlen. Basierend auf diesen, laufend aktualisierten Daten  ergibt sich folgender, kompakter Überblick über die Lage in den am stärksten betroffenen Ländern weltweit:

Noch immer ist die größte Zahl an Erkrankungen insgesamt in China zu verzeichnen. Bezogen auf die Einwohnerzahl sind viele zentraleuropäische Länder allerdings mittlerweile mindestens ebenso stark betroffen. In absoluten Zahlen melden Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland zurzeit die höchsten Zahlen an täglichen Neuinfektionen und die Gesamtzahl der Infektionen liegt außerhalb Chinas mittlerweile höher als im Reich der Mitte.

Wichtiger noch als die absoluten Zahlen ist die Dynamik in den einzelnen Ländern. Gerade in frühen Phasen der Verbreitung der Erkrankungen steigen die Fallzahlen in vielen Ländern sehr stark. Beträgt der tägliche Anstieg etwa 30 Prozent, so kommt es zu einer Verdopplung der Fallzahlen in weniger als drei Tagen. Bleibt diese Rate konstant, so spricht man von exponentiellem Wachstum - mit potenziell dramatischen Folgen.

Ziel der eingeleiteten Gegenmaßnahmen ist es, die Geschwindigkeit, mit der sich das Virus verbreitet, durch Minimierung der sozialen Kontakte möglichst stark zu reduzieren. Das soll das Gesundheitssystem vor zu vielen schweren Erkrankungen gleichzeitig bewahren. Die Veränderung der Fallzahlen in der obigen Tabelle ist die wichtigste Messgröße dafür, wie gut das den jeweiligen Ländern aktuell gelingt.

In China und Südkorea, die als erste sehr stark betroffen waren, scheint der Anstieg der Fallzahlen für den Moment gestoppt worden zu sein. Auch im Iran erscheint der Anstieg der Fallzahlen sowohl gegenüber dem Vortag als auch innerhalb der letzten Woche auf ein niedriges Niveau gesunken zu sein. Allerdings gibt es hier durchaus begründete Zweifel an der Datenqualität (zu den Schwierigkeiten der internationalen Vergleichbarkeit der Zahlen siehe Methodik-Kasten).

Italien war als erstes europäisches Land flächendeckend betroffen und hat auch entsprechend starke Gegenmaßnahmen in Kraft gesetzt. Seit dem 9. März ist das öffentliche Leben landesweit nahezu vollständig lahmgelegt. Dass der Anstieg der Fallzahlen dort innerhalb der letzten Woche auf durchschnittliche 18 Prozent täglich gebremst werden konnte deutet darauf hin, dass die Maßnahmen wirken. Sicher sagen lässt sich dies aufgrund der teilweise langen Inkubationszeit allerdings erst mit zeitlichem Abstand.

Die Entwicklung der Fallzahlen verlief in Deutschland und Frankreich lange Zeit nahezu parallel. Bei den getroffenen Gegenmaßnahmen handelte Frankreich jedoch häufig etwas früher als Deutschland. Dies spiegelt sich nun auch in den Wachstumsraten wider, die in Frankreich sowohl tagesaktuell als auch mit Blick auf die vergangene Woche niedriger liegen.

Den größten Anlass zur Sorge bereitet zurzeit die Entwicklungsdynamik in Spanien, Österreich, Deutschland, USA und der Schweiz. Spanien weist mittlerweile nach China, Italien und Iran die viertmeisten Erkrankungen weltweit und weiterhin ein starkes Wachstum auf. Vermutlich nicht zuletzt aufgrund der Appelle aus Italien ergriff Spanien am Sonntag schließlich drastische Maßnahmen, in der Hoffnung das Wachstum möglichst schnell einzugrenzen.

Die USA schließlich sind unter den am stärksten betroffenen Staaten das einzige Land, in dem der Anstieg der Fallzahlen gegenüber dem Vortag noch über dem Durchschnitt der vergangenen Woche liegt. Die Verbreitungsgeschwindigkeit scheint sich hier momentan sogar noch zu beschleunigen. Hier ist bei der Interpretation allerdings besondere Vorsicht geboten: In den USA wurden bislang nur sehr wenig Tests durchgeführt, dementsprechend wurden auch wenig Covid-19-Infektionen diagnostiziert und gemeldet. Die Dunkelziffer, die generell als erheblich eingeschätzt wird, dürfte hier folglich besonders hoch sein.

Die in diesem Artikel verwendeten Daten stammen vom "Coronavirus Resource Center" der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Dieses pflegt und veröffentlicht fortwährend aktualisierte Daten , die sowohl von der WHO, als auch von zahlreichen nationalen Institutionen stammen. Die in der Tabelle dargestellten Werte sind eigene Berechnungen, basierend auf der täglichen Zeitreihe der bestätigten Covid-19-Fälle (als Einzeltabelle hier  verfügbar).

Hinweis: dieser Artikel gibt die Situation zum Stand 18. März 2020 wieder. Laufend aktualisierte Zahlen finden Sie stets in diesem Artikel.