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Jörg Römer

Ein Artikel, der den Hausarzt überzeugte Wie ein Leser dank SPIEGEL-Grafik zur Boosterimpfung kam

Mitte November berichteten wir, wie schnell der Schutz durch die Coronaimpfungen abnimmt. Zu diesem Zeitpunkt empfahl die Stiko den Booster erst nach sechs Monaten. Unser Artikel brachte mindestens einen Arzt zum Umdenken.
aus DER SPIEGEL 1/2022
Coronaimpfung

Coronaimpfung

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Im Herbst hofften in Deutschland wohl alle Menschen mit doppelter Corona­impfung, dass die Pandemie für sie nun vorüber sei. Heute wissen wir: Das war ein Irrglaube. Mit der Zeit setzte sich in Deutschland wie auch auf der ganzen Welt die Erkenntnis vom abnehmenden Immunschutz durch – selbst bei den Vakzinen, die nach dem neuartigen mRNA-Verfahren wirken. Zuerst, so zeigten es die Untersuchungen der Wissenschaftler, steigt das Risiko einer Übertragung, und nach einigen Monaten sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, vor einem schweren Verlauf ausreichend gut geschützt zu sein.

Besseren Schutz versprach laut Analysen die Boosterimpfung. Für den SPIEGEL schrieb ich damals einen Artikel über die Wirkung der dritten Immunisierung . Darin wurde eine Grafik aus einer vorveröffentlichten schwedischen Studie gezeigt. Sie offenbarte äußerst Beunruhigendes: Der Schutz vor einer symptomatischen Infektion sank bei den mRNA-Impfstoffen erwartungsgemäß kontinuierlich. Bei dem Mittel von AstraZeneca war er nach vier Monaten praktisch nicht mehr nachweisbar.

Zwar ergaben andere Daten aus Großbritannien, dass der Impfstoff von AstraZeneca in diesen Untersuchungen besser abschnitt als in der schwedischen Studie, wie mir der Immunologe Carsten Watzl für den Artikel bestätigte. Dennoch beunruhigte die abgedruckte Grafik besonders die mit AstraZeneca geimpften Leserinnen und Leser. Etliche schrieben mir E-Mails und fragten, wie die Studie zu bewerten sei und wie sie nun schnellstmöglich an eine Boosterimpfung kämen.

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Die Hausärzte waren damals offenbar nicht immer eine Hilfe. Nicht alle folgten den Forderungen aus der Politik, so schnell wie möglich alle Willigen zu boostern. Manche Leser berichteten, dass ihre Bitte nach der dritten Spritze zunächst abgelehnt wurde. Auch ein Mann aus Hannover meldete sich bei mir. »Ich habe sofort meinen Hausarzt angerufen«, schrieb er, nachdem er den Artikel gelesen hatte. Doch leider habe der Mediziner auf die Einhaltung der sechs Monate Abstand zur zweiten Impfung gedrängt – ganz so, wie es die Stiko zu diesem Zeitpunkt noch vorsah, aber entgegen der Empfehlung des damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn von Mitte November. Erst die Darstellung aus der Studie habe den Hausarzt schließlich doch überzeugt.

»Mithilfe Ihrer Grafik habe ich für mich einen kurzfristigen Boostertermin erreichen können«, schrieb der Mann. Kurz darauf änderte die Stiko ihre Empfehlung, Überzeugungsarbeit mit Grafiken war nicht mehr nötig.

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