Verbrauch gesunken, Emissionen gestiegen Deutschland verfehlt Klimaziele 2022 – wohl wegen Kohlekraftwerken

Obwohl der Verbrauch gesunken ist, sind die Emissionen im Jahr 2022 gestiegen – weil verstärkt Kohlekraftwerke eingesetzt wurden, so die Analyse eines Thinktanks. In einem Sektor wurden die Klimaziele jedoch erreicht.
Tagebau Garzweiler (Bild vom 1. November 2022): In der Krise setzt Deutschland bei der Stromproduktion stärker auf Kohlekraft

Tagebau Garzweiler (Bild vom 1. November 2022): In der Krise setzt Deutschland bei der Stromproduktion stärker auf Kohlekraft

Foto: IMAGO/MARC JOHN / IMAGO/Marc John

Der verstärkte Einsatz von Kohlekraftwerken als Gasersatz hat die deutschen Klimaziele einer Studie zufolge 2022 durchkreuzt. Obwohl der Energieverbrauch insgesamt vor allem wegen der hohen Preise um fast fünf Prozent zurückgegangen sei, machte der Kohle- und Öl-Einsatz die Treibhausgas-Einsparung wieder zunichte, heißt es in einer Auswertung des Thinktanks Agora Energiewende .

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Auch der Verkehrs- und Gebäudesektor konnte seine Vorgaben im vergangenen Jahr wieder nicht erfüllen. Deutschland produzierte so aufgrund vorläufiger Zahlen mit 761 Millionen Tonnen Treibhausgas fast genauso viel wie 2021. Die selbst gesetzte Obergrenze für 2022 wurde um rund fünf Millionen Tonnen verfehlt.

Die CO2-Emissionen stagnierten demnach so trotz gesunkenen Energieverbrauchs, vergleichsweise warmen Wetters und günstiger Bedingungen für Wind- und Solaranlagen auf hohem Niveau. »Das ist ein Alarmsignal im Hinblick auf die Klimaziele«, sagte Agora-Chef Simon Müller laut einer Mitteilung. Er wies zudem daraufhin, dass die Ampelkoalition ihr angekündigtes Klimaschutzsofortprogramm bislang schuldig geblieben sei. 2023 müsse die Regierung die Trendwende schaffen. Derzeit liege man mit einem Minus von 39 Prozent im Vergleich zu 1990 bei den Emissionen erneut noch hinter der Vorgabe für 2020 von damals 40 Prozent. Bis 2030 will Deutschland den Ausstoß aber um 65 Prozent reduzieren.

Industrie hat Ziele wohl erreicht

Der Verkehr bleibe das große Problemfeld unter den Sektoren: Dort lag laut Agora der CO2-Ausstoß mit 150 Millionen Tonnen deutlich über dem laut Klimaschutzgesetz erlaubten 139 Millionen Tonnen. Gründe für die Zielverfehlung seien das nach dem Coronarückgang wieder gestiegene Verkehrsaufkommen und fehlende politische Instrumente zur Reduktion der Emissionen. Der Industriesektor habe dagegen seine Ziele eingehalten. Dies sei eine Folge von Energie-Sparen und mehr Effizienz. Dennoch brauche es noch mehr, um auch die Vorgaben für 2030 zu erreichen.

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Der Agora-Auswertung zufolge produzierten Erneuerbare Energien 2022 mit 248 Terawattstunden so viel Strom wie nie zuvor – ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber 2021. Dabei blieb die Windkraft größter Stromlieferant unter den Erneuerbaren. Gleichzeitig stieg die Produktion aus Solarkraftwerken um 23 Prozent gegenüber 2021 – dank eines überdurchschnittlich guten Sonnenjahrs und eines kräftigen Zubaus neuer Anlagen.

ani/Reuters
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