Düstere Langzeitprognose Deutschland verpasst Klimaziele deutlich

Die bisher beschlossenen Maßnahmen zum Klimaschutz reichen nicht aus, warnt das Umweltbundesamt. Ohne Nachbesserungen sind die zukünftigen CO₂-Ziele unerreichbar.
Zu klein, zu spät? Arbeiter bauen Windräder bei Ludwigsdorf auf

Zu klein, zu spät? Arbeiter bauen Windräder bei Ludwigsdorf auf

Foto: Florian Gaertner / photothek / imago images

Deutschland droht seine selbstgesteckten Klimaziele für 2030 und 2040 zu verfehlen, wenn die nächste Bundesregierung nicht nachsteuert. Die bisher verabschiedeten Maßnahmen, wie das Klimaschutzprogramm 2030 und das Konjunkturpaket aus dem Juni, würden nicht ausreichen, heißt es knapp sechs Wochen vor der Bundestagswahl im »Projektionsbericht 2021 für Deutschland«. Das berichtete das »Handelsblatt« am Donnerstag.

Klimakrise

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Das Klimaschutzgesetz schreibt vor, dass die Emissionen um 65 Prozent in diesem und um 88 Prozent im nächsten Jahrzehnt sinken müssen im Vergleich zu 1990. Laut der Prognose verfehlt Deutschland beide Ziele aber deutlich, wenn es bei den bislang auf den Weg gebrachten Maßnahmen bliebe. Bis 2030 ging es demnach nur um 49 Prozent herunter, bis 2040 um 67 Prozent. Statt zehn Jahre bräuchte Deutschland also doppelt so lange für das erste Etappenziel.

Die Untersuchung hat das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben. Klimaexperten von Öko-Institut, Fraunhofer ISI, IREES und Thünen-Institut haben die Szenarien durchgerechnet. Sie gingen dabei davon aus, dass 2030 in Deutschland 8,4 Millionen Elektroautos zugelassen sind. Die installierte Leistung der Windräder würden demnach von aktuell 54 auf 71 Gigawatt steigen und sich bei Solaranlagen fast verdoppeln.

Das weitere Vorgehen beim Klimaschutz gehört zu den Streitthemen im Bundestagswahlkampf, etwa bei der Frage des aus Sicht von Wissenschaftlern eigentlich zwingend notwendigen früheren Kohleausstiegs und der Verkehrswende. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hatte sich in dieser Woche bei einem Wahlkampftermin in Cottbus, in der Nähe der Kohlereviere in der Lausitz, gegen ein früheres Ende ausgesprochen.

Streitthema Kohleausstieg

»Ein Kohleausstieg 2038 ist mit dem deutschen Klimaziel nicht vereinbar«, teilte dagegen die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock mit. Sie verwies darauf, dass auch Unions-Kandidat Armin Laschet (CDU) keinen früheren Kohleausstieg wolle. Die Grünen fordern einen Abschied von der Kohle bis 2030, um die deutschen Klimaziele, aber auch Vorgaben der EU und des internationalen Pariser Klimaschutzabkommens einhalten zu können.

In der Verkehrspolitik liegen zumindest im Wahlkampf ebenfalls Welten zwischen Regierung und Opposition. Beim letzten »Autogipfel« von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurden am Mittwoch noch einmal Hilfen in Milliardenhöhe für die Transformation der Autoindustrie und betroffener Zuliefererbetriebe endgültig auf den Weg gebracht.

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»Die Bundesregierung versucht kurz vor der Wahl die selbst angeheizte Krise im Fahrzeugbau mit Subventionen zu übertünchen«, kritisierte FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic. Der Linke-Klimapolitiker Lorenz Gösta Beutin forderte, steuerfinanzierte Hilfen an konkrete Klimaschutzauflagen wie ein Ende des fossilen Verbrenner-Pkws bis spätestens 2030 zu knüpfen.

fww/dpa
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