Zur Ausgabe
Artikel 72 / 108

MEDIZIN Die Mär von der Krebspersönlichkeit

aus DER SPIEGEL 8/2008

Mediziner haben endgültig die Legende widerlegt, dass es so etwas wie eine Krebspersönlichkeit gebe. Bei einer Studie mit fast 10 000 niederländischen Frauen stellte sich heraus, dass diejenigen, die ihre Gefühle unterdrückten und eher niedergeschlagen oder ängstlich durchs Leben gingen, keineswegs häufiger an Brustkrebs erkrankten als Frauen ohne diese Charakterzüge. »Niemand braucht Angst zu haben, dass solche Persönlichkeitsmerkmale einen Risikofaktor für Brustkrebs darstellen«, erklärt Eveline Bleiker, eine der beteiligten Forscherinnen. Ebenso brauchten sich Frauen, bei denen die Krankheit diagnostiziert worden ist, keine Vorwürfe zu machen, dass sie selbst etwas mit der Entstehung des Tumors zu tun hätten. Die Mär, dass es vor allem die seelisch Angeknacksten und in sich Gekehrten seien, die an Krebs erkranken, hat seit den achtziger Jahren immer wieder Befürworter gefunden - mit dem Ergebnis, dass sich Krebsopfer häufig neben der Krankheit obendrein mit Schuldgefühlen quälten. Erst vor kurzem hatten US-Forscher den Zusammenhang von Psyche und Krebs auch bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren an Kopf und Hals widerlegt. »Ich bin froh, dass mit diesem Mist endlich aufgeräumt wird«, erklärt Kevin Stein, Tumorexperte bei der Amerikanischen Krebsgesellschaft.

Zur Ausgabe
Artikel 72 / 108
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.