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ARCHÄOLOGIE Die Spur Hannibals

aus DER SPIEGEL 22/2007

Welchen Weg wählte der karthagische Feldherr Hannibal, als er eine Armee samt Kriegselefanten für den Angriff auf Rom über die Alpen trieb? Seit mehr als 2000 Jahren rätseln Historiker vergebens über diese Frage. 25 Alpenpässe hat der Archäologe Patrick Hunt von der kalifornischen Stanford University in den vergangenen zehn Jahren zu Fuß überquert, 30 Knochen hat er sich gebrochen, und fast wäre er gestorben - wie Unzählige von Hannibals Soldaten im Herbst des Jahres 218 vor Christus. Hunt analysierte Satellitenbilder und antike Texte, etwa von Polybius und Livius; er studierte die Alpenerosion und die historischen Verschiebungen der Schneegrenzen. Jetzt glaubt er, einem Beweis nahe zu sein. Der Col du Clapier - ein 2482 Meter hoher Pass zwischen Frankreich und Italien - erfüllt alle Beschreibungen aus den alten Schriften: der Aufstieg aus der Rhône-Region sanft, der Abstieg mörderisch; die Passhöhe bietet Platz für eine rastende Armee von mehr als 25 000 Soldaten; von oben ist die Poebene sichtbar. Auch andere Gelehrte favorisieren den Col du Clapier als Hannibals Route, doch niemand hat je einen archäologischen Beweis gefunden. Heftige Erosion, glaubt Hunt, hat alle Hinterlassenschaften der Karthager tief im Boden verborgen. Hunt hat dennoch 19 Stellen entdeckt, an denen er Funde erwartet - vor allem unten in den Abgründen, in die Mensch und Tier gestürzt sind. Der Forscher wartet jetzt auf Genehmigungen aus Paris und Rom, noch in diesem Jahr will er graben.

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