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GEDÄCHTNIS DNA-Schlüssel zur Erinnerung

aus DER SPIEGEL 12/2007

Unsere Erinnerungen werden im Erbgut von Nervenzellen niedergeschrieben - zu diesem verblüffenden Ergebnis kamen jetzt Forscher der University of Alabama. Schon länger ist bekannt, dass sich nur dann Eindrücke im Langzeitgedächtnis festsetzen, wenn ein besonders starkes Nervensignal zur Aktivierung bestimmter Gene im Zellkern der Nervenzelle führt. Doch wie genau werden diese Gene aktiviert? Wer das weiß, hält den Schlüssel zur Regulierung der Erinnerungen in der Hand. Die US-Forscher stellten nun fest, dass dabei offenbar auch das Erbgut selbst chemisch verändert wird, und zwar durch einen Mechanismus, der auch während der Embryonalentwicklung das Zellschicksal steuert: die sogenannte DNA-Methylierung. Die Forscher hatten dazu Ratten in einen Käfig gesetzt und ihnen einen leichten Elektroschock verpasst. Wurden die Tiere am nächsten Tag wieder in den Käfig gesetzt, erstarrten sie sogleich in ängstlicher Erwartung: Offensichtlich konnten sie sich an den Schock vom Vortag noch gut erinnern. Spritzten die Forscher den Ratten jedoch direkt nach dem Elektroschock eine Substanz ins Gehirn, welche die DNA-Methylierung hemmt, waren die Tiere am nächsten Tag weit weniger ängstlich: Der Schock hatte offenbar kaum Spuren in ihrem Gedächtnis hinterlassen.

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