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SPIEGEL

Philip Bethge

Elementarteilchen Wassersparen für Anfänger

Liebe Leserin, lieber Leser,

was für ein sonniger, grandioser Frühlingsbeginn! Die Landwirte allerdings sind nicht zufrieden: Zu trocken ist die Krume, vor allem im neuen Dürregürtel Deutschlands, der von Brandenburg über Sachsen-Anhalt und Niedersachsen bis nach Nordrhein-Westfalen reicht.

Seit 2018 schon herrscht hierzulande – mit Ausnahme des vergangenen Jahres – eine außergewöhnliche Trockenperiode. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig spricht gar  von einer »Extremsituation, die es so im letzten Vierteljahrtausend nicht gegeben hat«.

Und Claudia Pahl-Wostl, Wasserexpertin vom Institut für Umweltsystemforschung der Universität Osnabrück, warnt vor kommenden »Interessenkonflikten« bei der Wassernutzung und beobachtet in Deutschland schon länger einen »nachlässigen Umgang mit Wasser«: »Wir müssen uns darauf einstellen, dass Wasser hierzulande zu einem knappen Gut wird – das ist ein Novum für Deutschland«, sagt sie.

Mich erinnert das alles an meine Zeit als SPIEGEL-Korrespondent in San Francisco Anfang der 2010er-Jahre. Die Kalifornier wurden schon damals regelmäßig dazu aufgefordert, ihre Gartenbewässerung einzustellen und die Swimmingpools nicht mehr aufzufüllen.

Wie werden die Deutschen reagieren, wenn es heißt, den Garten nicht mehr zu sprengen und das Auto nicht mehr jede Woche, sondern nur noch einmal im Monat zu waschen? Der Klimawandel könnte auch hierzulande die nächste Generation dazu zwingen, viel mehr auf den Wasserverbrauch zu achten. Können wir auch Weltmeister im Wassersparen?

Die Kalifornier haben gar keine andere Wahl mehr. Vor allem im besonders trockenen Süden Kaliforniens herrscht bereits seit dem Jahr 2000 Dürre. Ernten vertrocknen, Tiere verdursten, Wälder werden von Bränden zerfressen. Fachleute  sprechen von einer »Megadürre«, der schwersten seit mindestens 1200 Jahren. Und manche befürchten: Die Dürre könnte als dauerhaftes Symptom der Klimakrise die Zukunft dieser Region prägen.

Meine Kollegin Viola Kiel hat nach San Diego geblickt  und beschrieben, wie die Anpassung auch im Privaten gelingen könnte: mit Sparduschköpfen, smarten Wasserleitungen – und ohne Rasen.

Herzlich

Ihr Philip Bethge

Gießkannen warten in Berlin auf ihren Einsatz

Gießkannen warten in Berlin auf ihren Einsatz

Foto: Rolf Poss / IMAGO

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Quiz

  1. Der weltweite Wasserverbrauch hat sich zwischen 1930 und 2000 etwa verdoppelt, versechsfacht oder verzehnfacht?

  2. Wie groß ist der tägliche Wasser-Fußabdruck jedes Deutschen, also die Gesamtmenge an Wasser, die für die Produktion aller an einem Tag verbrauchten Güter und Dienstleistungen benötigt wird? 200, 1000 oder 4000 Liter?

  3. Wie viel Wasser wird insgesamt für die Herstellung einer Tasse Kaffee verbraucht?

*Die Antworten finden Sie ganz unten im Newsletter.

Bild der Woche

Foto: Lynne Sladky / AP

Bunte Korallen wachsen unter lila schimmerndem Licht im Labor des US-Projekts »Coral Morphologic«. Der Meeresbiologe Colin Foord und der Musiker J. D. McKay versuchen seit 2007, mit Installationen, Videos und Kompositionen auf die weltweite Bedrohung der Korallenriffe aufmerksam zu machen. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Nach einer erneuten Hitzewelle in Australien erlebt das Great Barrier Reef derzeit die vierte Massenbleiche in nur sieben Jahren. Über 90 Prozent des weltweit größten Korallenriffsystems sind inzwischen geschädigt.

(Feedback & Anregungen? )

*Quizantworten: 1. Versechsfacht  2. 4000 Liter 3. 140 Liter