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ARCHÄOLOGIE Edel-Raststätte in der Antike

aus DER SPIEGEL 49/2002

Römische Staatsbeamte und Offiziere nutzten bei ihren Reisen über Land offenbar gern die Annehmlichkeiten von Nobelherbergen, die entlang den befestigten Straßen oder an wichtigen Knotenpunkten standen. Eine solche antike Edel-Raststätte aus den ersten Jahrhunderten nach Christus haben die Bochumer Archäologen Andrea Büsing-Kolbe und Hermann Büsing in der östlichen Po-Ebene zwischen den Ortschaften Ficarolo und Gaiba ausgegraben. Unter einer etwa 50 Zentimeter dicken Erdschicht fanden sie die Überreste zweier symmetrischer Gebäudeflügel, die von einem offenen Hof mit gemauertem Altar getrennt waren. In einigem Abstand östlich davon befand sich eine Scheune, in der die Fernreisenden vermutlich Wagen und Pferde unterbringen konnten. Für die Nutzung des über 80 Meter langen Komplexes als Nobelhotel sprechen zahlreiche Fundstücke wie hochwertiges Tafelgeschirr, syrisches und ägyptisches Glas, Amphorenreste oder keltische Emailarbeiten aus Britannien. Eine Art Schönheitssalon in der antiken Anlage lässt vermuten, dass die Landherberge auch von weiblichen Reisenden genutzt wurde - oder aber von Liebesdienerinnen, die den männlichen Wagenlenkern die Nächte versüßten. In einem soeben erschienenen Buch stellen die Wissenschaftler ihre Funde jetzt erstmals in einer opulenten Wort- und Bildfassung vor*.

* Andrea Büsing-Kolbe, Hermann Büsing: »Stadt und Land inOberitalien«. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2002; 100 Seiten;34,80 Euro.

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