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Ehrenrettung für Blutegel

aus DER SPIEGEL 15/1991

Jahrhundertelang galten die drei bis zehn Zentimeter großen Blutsauger als Hilfe gegen Schlagfluß und andere Gebresten. Nun sind viele Pharmafirmen dabei, einen Wirkstoff aus dem Speichel der Blutegel nachzubauen, der verspricht, allen blutgerinnungshemmenden Substanzen aus den Pharmalabors überlegen zu sein. So versagt das zur Verhinderung von Blutpfropfenbildung bei instabiler Angina pectoris besonders häufig verwendete Heparin bei jedem siebten Patienten. Die Gefahr von allergischen Reaktionen oder schwer stillbaren Blutungen besteht für alle mit Heparin Behandelten. Wegen seiner Doppelwirkung sowohl auf den Blutklebstoff Fibrin wie auf die einzelnen Blutplättchen könnte der Egel-Wirkstoff Hirudin von solchen Nebenwirkungen frei sein, hoffen die Forscher. Im Tierversuch haben sich die Erwartungen der Pharmakologen schon bestätigt. Die ersten klinischen Versuche an Menschen sollen noch in diesem Jahr folgen. Während der Schweizer Pharmakonzern Ciba-Geigy auf gentechnisch produziertes Hirudin setzt, bauen andere Firmen den Stoff synthetisch im Labor nach.

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