Wetterphänomen El Niño kündigt sich an – die kommenden Jahre dürften heiß werden

Eine Wetterwende steht bevor: Der kühlende Zyklus La Niña läuft aus, der heißere Bruder übernimmt. Experten rechnen deshalb mit neuen Temperaturrekorden.
Maisfeld in Rheinland-Pfalz: Hitze und Trockenheit machte Bauern schon 2022 zu schaffen, dabei bremste La Niña den Anstieg der globalen Erwärmung

Maisfeld in Rheinland-Pfalz: Hitze und Trockenheit machte Bauern schon 2022 zu schaffen, dabei bremste La Niña den Anstieg der globalen Erwärmung

Foto: Rainer Unkel / IMAGO

Wird dieses Jahr das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen? Expertinnen und Experten sehen die Weichen dafür gestellt. Das Wetterphänomen El Niño kündigt sich an, das die globalen Temperaturen in die Höhe treiben dürfte.

Seit etwa drei Jahren ist die Welt in einer ungewöhnlich langen La-Niña-Phase, die eine kühlende Wirkung hat. Dennoch war 2022 eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen. Fällt nun die Abkühlung durch La Niña weg, dürfte es noch deutlich heißer werden.

El Niño pumpt Energie in die Atmosphäre

Die US-Klimaforschungsbehörde NOAA rechnete mit dem Übergang von La Niña in eine neutrale Phase zwischen Januar und März. »Außergewöhnlich warme Tiefengewässer im tropischen Westpazifik deuten das nächste El-Niño-Ereignis 2023 an«, schrieb Klimaexperte Kevin Trenberth von der Universität Auckland schon im September. Dies könne zu globalen Temperaturrekorden 2024 führen – weil ein Teil der Meereswärme in die Atmosphäre abgegeben wird.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der bisherige Rekord des heißesten Jahres bis 2026 übertroffen wird, liegt bei 93 Prozent, schätzte die Weltwetterorganisation (WMO) im November. Wann El Niño seine ganze Wucht zeigen wird, sei noch nicht klar. Zu 25 Prozent beginnt schon in diesem Sommer eine El-Niño-Phase. Das bisherige Rekordjahr 2016 lag im globalen Durchschnitt 1,3 Grad über dem Temperaturniveau von 1850 bis 1900.

Heißes Christkind

Was sind La Niña und El Niño? Korrekt heißt es »El Niño Southern Oscillation« oder abgekürzt »Enso«. Es bezeichnet ein gekoppeltes Zirkulationssystem von Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik. Bei der Warmphase El Niño bringt die Strömung Meereswärme in höhere Breiten, die teils über Verdunstung in die Atmosphäre abgegeben wird. Weil Fischer in Peru die Erwärmung zum Jahresende merkten, nannten sie das Phänomen El Niño, was übersetzt das Christkind bedeutet.

La Niña gilt als Kaltphase, in der die Strömung die Erwärmung über die Sonneneinstrahlung in tiefe Gewässer des Westpazifiks führt, wo sie gespeichert wird. Zwischen den beiden Extremen spricht man von einer neutralen Phase.

Starke und mäßige El-Niño-Ereignisse tragen nach Angaben der WMO zur Erwärmung bei und erhöhen die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur. »Obwohl die stärksten Auswirkungen von El Niño im äquatorialen Pazifik zu spüren sind, können sie Folgen für das Wetter auf der ganzen Welt haben, weil sie Hoch- und Tiefdrucksysteme, Winde und Niederschläge beeinflussen«, erklären Klimaforscher der Columbia-Universität. »Da das wärmere Ozeanwasser überschüssige Energie an die Atmosphäre abgibt, steigen die globalen Temperaturen.«

WMO-Chef Petteri Taalas warnte im August 2022: »Es ist sehr außergewöhnlich, in drei aufeinanderfolgenden Jahren La-Niña-Ereignisse zu haben. Der kühlende Effekt hat den Anstieg der globalen Temperaturen vorübergehend gebremst, aber das wird den langfristigen Erwärmungstrend nicht stoppen oder umkehren.«

koe/dpa
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