Technologie von Elon Musk Neuralink will in sechs Monaten Gehirnchips an Menschen testen

Schon in einem halben Jahr will Elon Musk Chips seiner Firma Neuralink in menschliche Hirne pflanzen lassen. Kann das gelingen? Und was können die Implantate überhaupt?
Implantat von Neuralink: Der Chip soll Signale vom Gehirn an Computer übertragen können

Implantat von Neuralink: Der Chip soll Signale vom Gehirn an Computer übertragen können

Foto: Neuralink / AFP

Techmilliardär Elon Musk hat in seinem Leben schon viel versprochen, einiges davon hat er auch gehalten. Als er ankündigte, selbst Raketen zu bauen – ganz ohne Hilfe von Weltraumorganisationen wie Nasa –, wurde er belächelt. Heute fliegen die Raketen seines Unternehmens SpaceX Astronauten zur ISS. Auch sein Versprechen, E-Autos zu bauen, dürfte dereinst so manchem Autohersteller allenfalls ein müdes Lächeln entlockt haben. Heute ist Tesla die wertvollste Automarke der Welt.

Nun hat Musks erneut den Mund voll genommen: Schon in sechs Monaten sollen Gehirnchips seiner Firma Neuralink erstmals an Menschen getestet werden. Mit den Chips sollen sich Gelähmte eines Tages wieder bewegen und Erblindete wieder sehen können, verspricht der Milliardär. Klingt fantastisch. Zu Fantastisch?

Das Problem mit dem Zeitplan

Tatsächlich hinkt Neuralink dem eigenen Zeitplan hinterher, sehr zum Ärger Musks, der für seine rigiden Forderungen in Sachen Arbeitsmoral  berüchtigt ist. Ursprünglich sollten die Chips bereits vor Jahren am Menschen getestet werden. Und Neuralink ist längst nicht die einzige Firma, die an solchen Brain-Computer-Interfaces arbeitet. Andere Konkurrenten sind sogar schon weiter.

Der Chip von Neuralink soll Nervenschäden überbrücken und Gedanken zu Smartphones und Computern übertragen. Menschen mit Behinderungen könnten wieder gehen und sprechen, versprach Musk laut Nachrichtenagentur Reuters bei einer Präsentation vor ausgewählten Gästen in San Francisco, die fast drei Stunden dauerte. Auch Krankheiten wie Parkinson, Demenz oder Alzheimer könnten mit dem Chip behandelt werden.

Irgendwann, so Musk, könnte der Chip auch mit künstlicher Intelligenz verknüpft werden. Auch andere Anwendungen jenseits der Medizin seien möglich. Mit dem Chip ließen sich Smartphones durch den Verstand bedienen – viel schneller als ein Daumen das je könnte. So viel zu den Versprechen. Doch sind sie auch einzuhalten?

Elon Musk ist berüchtigt für seine Visionen, zum Teil wurden sie wahr

Elon Musk ist berüchtigt für seine Visionen, zum Teil wurden sie wahr

Foto: ALEXANDER BECHER / EPA

Affe konnte Pong spielen – mit seinen Gedanken

Der ursprüngliche Zeitplan ist schon mal perdu. Musk hatte 2019 angekündigt, die Versuche mit Menschen könnten bald starten. Er erwarte die Erlaubnis bis Ende 2020. Bei einer Konferenz Ende 2021 – die Versuche hatten noch immer nicht begonnen – gab er sich zuversichtlich, die klinischen Studien würden 2022 anlaufen. Nun neigt sich auch das Jahr dem Ende zu.

Entsprechend wurden Musks neue Ankündigungen zu Neuralink erwartet. Ursprünglich waren sie für den 31. Oktober geplant, Musk hatte den Termin jedoch nur Tage vorher abgesagt, einen Grund nannte er nicht. Nun soll es also in sechs Monaten so weit sein.

Immerhin: Das Brain-Computer-Interface von Neuralink existiert – und funktioniert. Es wurde bereits einem Schwein und einem Makaken eingepflanzt. Während der letzten Präsentation des Unternehmens mit Sitz im Silicon Valley konnte der Affe das Computerspiel Pong spielen – ganz ohne Joystick oder Fernbedienung. Dank des Chips steuere er das Spiel allein mit seinen Gedanken, hieß es von Neuralink.

Online einkaufen per Implantat

Was nach Science-Fiction klingt, ist längst etablierte Forschung. Schon 2021 präsentierten Forschende im renommierten Fachblatt »Science« ein Implantat, mit dem ein Gelähmter wieder schreiben konnte. Der Chip übersetzte die Gedanken des Mannes an Handschrift in tatsächliche Schrift am Computer (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Das Unternehmen Synchron konnte bereits im Juli erstmals ein Implantat in einem Patienten in den USA testen. US-Behörden hatten den Versuch bereits 2021 genehmigt. In Australien hat das Unternehmen bereits Versuche mit vier Menschen abgeschlossen. Die Computer-Hirn-Schnittstelle namens Stentrode kann laut dem Hersteller neuronale Signale empfangen und senden. Mit dem Implantat hätten die Patienten etwa Nachrichten verschicken und online einkaufen können. Musk soll sich bei Synchron bereits wegen einer möglichen Investition erkundigt haben.

koe/Reuters
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