Starkregen und Überflutungen in Slowenien, die dritte Hitzewelle des Sommers in Spanien und in weiten Teilen Deutschlands wochenlange Regenfälle. Gefühlt wird das Wetter immer extremer.
O-Töne:
»Man hat auch schon viel Regen erlebt, aber dieses Jahr schon sehr viel. Auch immer, dass zwischendurch ganz viel Regen kommt, dann kurz Sonne, dann wieder Regen und dann wieder Sonne und das ist echt sehr wechselhaft.«
»Es ist das erste Mal, dass ich in Hamburg bin, aber in Frankreich ist es heißer und heißer und hier ist es kalt, aber es ist noch angenehm, draußen zu sein.«
Nur eine gefühlte Wahrheit oder spielt das Wetter immer häufiger verrückt? Klimaforscher wie Karsten Haustein versuchen darauf eine Antwort zu finden.
Karsten Haustein, Universität Leipzig:
»Wir schauen, wie viel wahrscheinlicher ist es geworden, dass bestimmte Extremwetterereignisse durch den menschengemachten Klimawandel, also durch die Erwärmung, häufiger oder auch weniger häufig geworden sind, um so die Risiken abzuschätzen, auch was sozusagen in Zukunft auf uns zukommt.«
Attributionsforschung nennt sich dieses Wissenschaftsfeld. Zunächst aber noch einmal die Klima-Basics, erklärt vom Experten selbst.
Karsten Haustein, Universität Leipzig:
»Wetter ist das, was sozusagen tagtäglich passiert. Und wenn wir uns jetzt viele, viele Jahre Wetter im Durchschnitt hernehmen – in der Regel reden wir da von 30 Jahren – dann reden wir von Klima. Und Klimawandel ist, wenn sich in den 30 Jahren und natürlich über viele so aneinandergereihte 30-Jahres-Zeiträume, also über, sagen wir mal 50, 100 Jahre tatsächlich ein Erwärmungstrend feststellen lässt. Und genau das ist das, was wir beobachten.«
Um Rückschlüsse vom Klima auf das Wetter zu ziehen, arbeiten Attributionsforscher:innen mit Modellen einer zukünftigen Welt, aus der sie den Klimawandel »herausgerechnet« haben. Sie betrachten dann konkrete Extremwetterereignisse – nehmen wir die Hitzewelle im Juli – in der echten Welt und in den Klimamodellen. Der Rest ist Mathematik.
Karsten Haustein, Universität Leipzig:
»Und da können wir bei Hitzewellen sagen: die sind oftmals schon um einen Faktor 10, 20, 30 wahrscheinlicher geworden. Das heißt, was früher mal eine Hitzewelle von zwei Wochen war, die mal alle 50 Jahre aufgetreten ist, das passiert jetzt jedes zweite, dritte Jahr.«
Zu diesem Ergebnis kommt auch eine aktuelle viel beachtete Attributionsstudie aus Großbritannien: Hitzewellen wie zuletzt seien in der gegenwärtigen Klimakrise regelmäßig zu erwarten: Alle 15 Jahre in Nordamerika, alle zehn Jahre in Südeuropa und alle fünf Jahre in China.
Einer aktuellen Umfrage zufolge haben knapp zwei Drittel der Erwachsenen hierzulande Angst vor Extremwetterereignissen in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Befragten sagen, dass die Bundesregierung klimapolitisch zu wenig tue, um die Menschen in Deutschland davor zu schützen. Nur 30 Prozent glauben, dass der Schutz ausreichend sei.
Karsten Haustein, Universität Leipzig:
»Aber wir müssen auch die Bevölkerung sensibilisieren und das ist, glaube ich, der entscheidende Aspekt. Das heißt, wenn so eine Hitzeperiode entsteht, den älteren vulnerablen Menschen sagen: Ihr müsst dies und jenes machen, viel trinken, versuchen clever zu lüften, vorbereitet sein mit vielleicht wirklich einer vernünftigen Klimaanlage.«
Die Beobachtungen, Berechnungen und Schlussfolgerungen des Klimaforschers geben dem Gefühl vieler Menschen demnach recht: Es verändert sich etwas. Die häufigen Wetterextreme in diesem Sommer sind Auswirkungen des Klimawandels – das kann die Wissenschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen. Die gleichzeitigen Hitzewellen im gesamten südeuropäischen Raum wäre ohne die menschlichen Treibhausgas-Emissionen »praktisch unmöglich« gewesen, so das Ergebnis der Wissenschaft.
Laut Haustein gehe es jetzt darum, sich auf extremes Wetter einzustellen – und jedes weitere Zehntel Grad Erderwärmung zu verhindern. Und dafür braucht es nicht mal aufwändige Attributionsforschung. Denn sobald wir als Menschheit keine Co2-Emissionen mehr verursachen, steigt die globale Temperatur nicht weiter an.
Karsten Haustein, Universität Leipzig:
»Die würde auch nicht wieder runtergehen. Sie bleibt, wo sie ist und umso höher wir kommen, umso höher ist dann die Temperatur, auf der wir »gefangen« sind. Aber sie wird danach, wenn wir wohlgemerkt auf Null gehen, nicht noch beliebig ansteigen. Wir haben es also immer selbst in der Hand. Und das ist das, was bei mir sozusagen immer im Hinterkopf schwebt: Wir haben alle Lösungen, wir wissen, wie es geht und wir müssen es nur machen.«