Zur Ausgabe
Artikel 66 / 92
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

KLIMA »Esst einen Tag in der Woche kein Fleisch!«

Der indische Ingenieur und Chef des Uno-Weltklimarats, Rajendra Pachauri, 68, über den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Erderwärmung
aus DER SPIEGEL 2/2009

SPIEGEL: Jeder Deutsche verzehrt statistisch gesehen jährlich rund 62 Kilogramm Fleisch. Finden Sie das zu viel?

Pachauri: Es steht mir ja eigentlich nicht zu, das zu kommentieren. Aber fast 200 Gramm pro Tag sind in der Tat eine ganz schöne Menge. Vielleicht sollten Sie sich bemühen, das zu reduzieren.

SPIEGEL: Als Vegetarier haben Sie leicht reden!

Pachauri: Sicher, ich habe mir sagen lassen, dass es sehr mühsam ist, mit dem Fleischessen aufzuhören. Ich sage ja auch nicht: Leute, werdet Vegetarier. Was ich sage, ist: Esst einen Tag in der Woche kein Fleisch! Und wenn ihr wollt, dann reduziert es von da an weiter. Fleischverzicht ist nun einmal die einfachste Methode, um Energie zu sparen.

SPIEGEL: Fleischverzicht hilft gegen den Klimawandel?

Pachauri: Ganz genau. Grob gesprochen gilt folgende Regel: Wenn ich meinen Fleischkonsum halbiere, spare ich genauso viel Kohlendioxid ein, wie das der Fall wäre, wenn ich nur noch halb so viel mit dem Auto fahren würde. Das ist doch ziemlich beeindruckend! Und aus diesem Grund können die Menschen wirklich mit relativ wenig Aufwand ihren Kohlendioxid-Fußabdruck auf dieser Erde erheblich verkleinern.

SPIEGEL: Wie ist der erstaunlich hohe CO2-Ausstoß durch die Fleischproduktion zu erklären?

Pachauri: Zur Aufzucht von Schweinen oder Rindern wird eine unvergleichbar große Menge an pflanzlichem Futter benötigt, und das kostet bei unserer intensiven Landwirtschaft mit den riesigen Mengen an Dünger große Mengen an Energie. Außerdem wird dabei eine Menge Land vernichtet. Bei Rindern, die als Wiederkäuer überdies noch jede Menge klimaschädliches Methan bei ihrer Verdauung ausstoßen, ist das Verhältnis besonders ungünstig: 54 Kalorien pflanzliches Eiweiß werden verbraucht, um eine Kalorie Fleischeiweiß herzustellen. Bei Hühnern beträgt das Verhältnis lediglich 4:1.

Zur Ausgabe
Artikel 66 / 92
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel