Klimakrise 2019 war das wärmste Jahr in Europa

Seit Beginn der Aufzeichnungen waren die Temperaturen in Europa noch nie so hoch wie 2019. Weltweit war es fast 0,6 Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

Der Klimawandel hinterlässt in den aktuellen Wetterstatistiken immer mehr Spuren: Weltweit war 2019 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Dies teilte der Klimadatenservice (C3S) des Erdbeobachtungsprogramm Copernicus  der Europäischen Union am Mittwoch im britischen Reading mit. Demnach war es 2019 fast 0,6 Grad wärmer als im langjährigen Mittel zwischen 1981 und 2010. Über die vergangenen fünf Jahre lag die globale Durchschnittstemperatur zwischen 1,1 und 1,2 Grad über vorindustriellem Niveau.

Damit liegen die EU-Daten im Einklang mit den Erhebungen der Weltwetterorganisation (WMO). Diese hatte Anfang Dezember in einem Bericht gezeigt, dass die Jahre 2010 bis 2019 als das wohl heißeste Jahrzehnt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gelten. Im Jahr 2019 habe die Temperatur global um 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau gelegen, hieß es.

Besonders heiß war es nach den Daten des Copernicus-Programms in Europa: Der Kontinent erlebte 2019 sogar das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Zwar brachen die Durchschnittstemperaturen der einzelnen Jahreszeiten keine Rekorde. Über das gesamte Jahr gesehen habe Europa aber sein wärmstes Kalenderjahr erlebt, ganz knapp vor 2014, 2015 und 2018, so die Forscher.

Neuer Temperaturrekord in Deutschland

Ende Dezember hatte auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) seine Jahresbilanz vorgestellt. Demnach lagen die Temperaturen in der Bundesrepublik in elf von zwölf Monaten über dem langjährigen Durchschnitt, zudem seien noch nie zuvor in Deutschland an drei Tagen hintereinander 40 Grad oder mehr gemessen worden. Vor allem die extreme Hitze im Sommer dürfte 2019 wohl zum drittwärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 machen, so der DWD. Am 25. Juli wurde dabei in Lingen im Emsland der neue deutsche Hitzerekord von 42,6 Grad gemessen, in mehreren Bundesländern gab es ebenfalls neue Rekordwerte.

Neun der zehn heißesten Jahre in Deutschland fallen in die Dekade zwischen 2010 und 2019: "Das ist kein Zufall", so DWD-Sprecher Andreas Friedrich. "Der Klimawandel ist auf der Überholspur." Es müsse davon ausgegangen werden, dass auch in der kommenden Dekade die Sommer in Deutschland von Wetterextremen geprägt seien. "Dass es zu kühl ist, wird seltener sein."

Im August hatte ein Forscherteam des World Weather Attribution Project untersucht, welchen Anteil der Klimawandel an den sommerlichen Extremtemperaturen hatte (mehr dazu lesen Sie hier). Demnach hat sich das Risiko für Hitzewellen im Juli für Westeuropa mindestens verfünffacht, einige Berechnungen gehen sogar vom Faktor 100 aus. Die Analyse basiert auf Daten von mehreren Orten in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien.

"2019 war erneut ein außergewöhnlich warmes Jahr: Weltweit gesehen das zweitwärmste, wobei gleich mehrere Temperaturrekorde brachen", sagte Carlo Buontempo, Direktor des C3S.

Deutlich wärmer im Vergleich zum Durchschnitt von 1981 bis 2010 war es demnach in Alaska und in weiten Teilen der Arktis. Nahezu alle Landmassen waren den Statistiken zufolge überdurchschnittlich warm, vor allem in Ost- und Südeuropa, Südafrika sowie Australien, wo derzeit großflächige Brände wüten. In Teilen Kanadas lagen die Jahrestemperaturen dagegen unter dem Durchschnitt.

dpa/stu