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INFORMATIK »Europa bald wieder vorn dabei«

Achim Bachem, 60, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, über die Gründung des europäischen Superrechner-Netzwerks Pace
aus DER SPIEGEL 16/2007

SPIEGEL: Hat Deutschland den Wettlauf um die schnellsten Rechner der Welt aufgegeben?

Bachem: Zwischenzeitlich schien es fast so. Noch vor wenigen Jahren standen rund 15 Prozent der 500 schnellsten Rechner der Welt in Deutschland. Heute sind es nur noch rund 4 Prozent. China zum Beispiel hat Deutschland schon so gut wie überholt.

SPIEGEL: Was kann das neue Superrechner-Netzwerk Pace, das am Dienstag in Berlin gegründet wird, daran ändern?

Bachem: Solange wir weiter allein kämpfen, haben wir verloren. Aber mit europäischer Unterstützung können wir bald wieder ganz vorn dabei sein. Wir haben über ein Dutzend Partner mit im Boot. Wir schließen unsere Rechnerkapazitäten zu einem internationalen Verbund zusammen, nach dem Erfolgsmodell der Raumfahrtagentur Esa oder des Teilchenforschungszentrums Cern.

SPIEGEL: Der Aufbau von Pace soll rund 500 Millionen Euro kosten, wovon Deutschland rund ein Viertel trägt. Geht es dabei um mehr als nur ein Prestigeprojekt?

Bachem: Supercomputing ist eine Grundlagentechnologie, ohne die ein Land überhaupt nicht wettbewerbsfähig ist. Die Entwicklung des Airbus A380 zum Beispiel wäre ohne die Simulation im Superrechner undenkbar, genau wie Nanoelektronik oder Klimaforschung.

SPIEGEL: Bislang klappte nicht einmal in Deutschland die Zusammenarbeit. Jülich etwa konkurrierte verbissen mit den Höchstleistungsrechenzentren in Stuttgart und in Garching bei München.

Bachem: Das wird sich nun ändern. Diese drei Einrichtungen haben inzwischen das gemeinsame Gauss Centre for Supercomputing eingerichtet, das die Kräfte bündeln wird.

SPIEGEL: Das ändert nichts daran, dass der amerikanische Bluegene-Computer fast achtmal schneller läuft als der schnellste deutsche Rechner, der bei Ihnen in Jülich steht.

Bachem: Geben Sie uns ein paar Jahre Zeit. Die USA planen, im Jahr 2008 die Petaflops-Grenze zu durchbrechen - also eine Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde. Das wollen wir mit unseren Gauss-Partnern spätestens 2010 auch in Deutschland schaffen.

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