Neuer Bericht Die EU verschwendet mehr Lebensmittel, als sie importiert

Eine Untersuchung zeigt das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung in Europa: 153 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll – mehr, als importiert werden. Die Autoren fordern nun rechtsverbindliche Ziele.
Altes Brot vor einer Bäckerei in Antwerpen, Belgien: Rund 150 Millionen Tonnen werden in der EU jährlich verschwendet

Altes Brot vor einer Bäckerei in Antwerpen, Belgien: Rund 150 Millionen Tonnen werden in der EU jährlich verschwendet

Foto: isslerimages / IMAGO

Lebensmittelverschwendung ist ein Streitthema. Einerseits werden viele Artikel wie etwa krumme Möhren mit dem Verweis auf optische Mängel aussortiert. Andererseits ist es in Deutschland verboten, verwendbare Lebensmittel aus Mülltonnen zu holen, Containern genannt. Wie groß das Ausmaß der Vergeudung ist, wurde nun auf EU-Ebene erstmals untersucht.

Einem Bericht der Stiftung Feedback EU  zufolge werden in der Europäischen Union mehr Lebensmittel verschwendet als importiert. Das hat auch wirtschaftliche Folgen. So würde die Inflation bei Lebensmitteln nahezu aufgehoben, wenn das Aussortieren von Lebensmitteln in landwirtschaftlichen Betrieben eingedämmt werden könnte, schreibt der »Guardian« , der über die Auswertung berichtet hatte.

Im Jahr 2021 importierte die EU fast 138 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Erzeugnisse von außerhalb ihrer Grenzen, heißt es in dem Bericht. »Diese Einfuhren werden von der Menge an Lebensmitteln – 153,5 Millionen Tonnen – in den Schatten gestellt, die in der EU jedes Jahr verschwendet werden.«

Der unbekannte Klimaeffekt

Allein die Menge des in der EU weggeworfenen Weizens entspricht etwa der Hälfte der ukrainischen Weizenexporte und einem Viertel der anderen Getreideexporte der EU, heißt es in der Studie. »Die mit dem Ukrainekrieg verbundene Nahrungsmittelkrise macht deutlich, dass das globale Nahrungsmittelsystem, das bereits durch den Klimawandel und die Coronapandemie erschüttert wurde, reformiert werden muss, um langfristig Resilienz und Nachhaltigkeit zu gewährleisten«, schreiben die Autoren.

Die Autorinnen und Autoren des Berichts weisen auch auf den Klimaeffekt von Lebensmittelverschwendung hin. Demnach sind Lebensmittelabfälle in der EU für mindestens sechs Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich und kosten die EU jährlich über 143 Milliarden Euro. »Lebensmittelverschwendung ist eine globale Herausforderung, die eine erhebliche ökologische, soziale und wirtschaftliche Belastung für alle Länder und Regionen« darstelle, heißt es in dem Bericht. »Wir fordern die Europäische Kommission dringend auf, ein rechtsverbindliches Ziel einer 50-prozentigen Verringerung der Lebensmittelabfälle bis zum 2030 festzulegen.« Eine solche Vorgabe würde der EU zudem dabei helfen, nationale und internationale Klimaverpflichtungen erfüllen zu können.

Bisher wurden noch keine offiziellen EU-Basisdaten für die Lebensmittelverschwendung in landwirtschaftlichen Betrieben im Jahr 2020 veröffentlicht. Die Studie stützt sich daher auf Berechnungen des Lebensmittelverschwendungsindex des Uno-Umweltprogramms und einer WWF-Metastudie, beide aus dem Jahr 2021. Der Bericht geht von etwa 90 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen in der Primärproduktion aus – dreimal mehr als Haushaltsabfälle.

Die Verschwendung ist dabei den Autorinnen und Autoren zufolge in Ländern mit hohem Einkommen größer als in Länder mit kleinerem Einkommen. Der größte Teil der Verschwendung werde jedoch wahrscheinlich gar nicht erst erfasst, schreibt der »Guardian«, denn in der Regel würden Lebensmittel, die in den landwirtschaftlichen Betrieben nicht geerntet, nicht verwendet oder nicht verkauft werden, auch nicht berücksichtigt werden. Schätzungsweise 20 Prozent der Lebensmittelproduktion in der EU werden jedes Jahr verschwendet.

ani
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