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MUSEEN Falsches Fahrrad in der Pinakothek

aus DER SPIEGEL 39/2002

Mit der hölzernen Rekonstruktion eines angeblich in Leonardo da Vincis Werkstatt entworfenen Fahrrades begrüßt die neu eröffnete Pinakothek der Moderne in München ihre Besucher: Im Eingangsbereich ist das Rad als historischer Kontrapunkt einem modernen Rennrad-Design gegenübergestellt. Doch das unlenkbare und obendrein klobige Vehikel ist nach einer gefälschten Skizze aus Leonardos »Codex Atlanticus« entstanden, nachgebaut wurde es mehrfach von Modellbauer Giovanni Sacchi, der nun ein Exemplar dem bayerischen Museum schenkte. Schon verschiedentlich, so Technikhistoriker Hans-Erhard Lessing, ehemals an der Universität Ulm, wurde auf den Schwindel aufmerksam gemacht: Auf der achten Internationalen Fahrradgeschichte-Konferenz an der Glasgow School of Art wurde bereits 1997 nachgewiesen, dass eine von Leonardo gezeichnete Brunneneimerkette die Fälschung inspiriert hat. Federico Di Trocchio, Wissenschaftshistoriker an der Universität Lecce, hatte sich der Fälschungsthese angeschlossen. Das Wissenschaftsblatt »New Scientist« berichtete dann über den Schwindel. Das Deutsche Museum in München, dem die von IBM gesponserte Rekonstruktion zur Ausstellung angetragen wurde, lehnte dankend ab.

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