Neue Studien zu Body Positivity Liebe jedes Gramm an dir!

Studien zeigen, dass viele dicke Menschen durch Diskriminierung psychisch erkranken. Was hilft dagegen?
Foto: Getty Images

Es sind die vielen kleinen Sticheleien, die mürbe machen. Hier ein schräger Blick von der Dame gegenüber in der Straßenbahn, dort ein Kommentar zur vermeintlichen Wirksamkeit von Sport für die schlanke Linie. Dazu kommen die großen, die unverhohlenen Diskriminierungen und Beschimpfungen: Schüler hänseln das dicke Kind als "Fettsack", die schlanke Kollegin wird befördert, obwohl sie schlechter qualifiziert ist, und der Leiter eines Fitnessstudios gibt seinem Kunden mit hohem Körpergewicht zu verstehen, er solle sich bitte ein anderes Studio suchen. 

Das ist der Alltag von Menschen jenseits des Normalgewichts. "Sie werden stigmatisiert und diskriminiert", sagt Claudia Luck-Sikorski, Projektleiterin an der Universität Leipzig und Professorin an der Hochschule für Gesundheit in Gera. Eine Befragung der Krankenkasse DAK-Gesundheit deckte im Jahr 2016 auf, dass 71 Prozent der Menschen stark übergewichtige Körper unästhetisch finden, 15 Prozent der Befragten vermeiden sogar bewusst den Kontakt mit ihnen. Es herrscht also eine regelrechte "Dickenfeindlichkeit". 

"Zwar gab es schon in den 1950er-Jahren Abneigungen gegenüber Menschen mit Adipositas, aber das hat sich seither weltweit verbreitet und verstärkt", sagt Janet Tomiyama, Psychologieprofessorin an der University of California. Vor allem Frauen berichten von Diskriminierungserfahrungen. Studien belegen zwar großteils, dass bei Übergewichtigen beide Geschlechter in der Arbeitswelt benachteiligt werden, übergewichtige Frauen beziehen jedoch ein noch niedrigeres Gehalt. 

Das Stigma rührt daher, dass hohes Körpergewicht als persönliche Verfehlung gilt. Betroffene sollen doch einfach weniger essen und mehr Sport machen - so die weitverbreitete Meinung. Wer es nicht schafft, dauerhaft abzunehmen, und das gelingt nur sehr wenigen, gilt als faul, unmotiviert, willensschwach oder dumm. "Wir wissen zwar heute, dass die Umwelt eine große Rolle spielt, trotzdem hält sich die Auffassung hartnäckig, dass Übergewicht und Adipositas selbst verschuldet sind", schrieben die Autoren eines Editorials in der Fachzeitschrift "The Lancet". 

Verantwortlich für das zunehmend schlechte Bild der Dickleibigen sind aber auch gesellschaftliche Strömungen wie das herrschende Schönheitsideal. So entsteht ein hoher Anspruch an jeden Einzelnen, bis ins hohe Alter schlank, fit und gesund zu bleiben. "Sogar Kinderfiguren wie Pumuckl oder Biene Maja werden immer dünner", sagt Claudia Luck-Sikorski. 

Auch Ärzte und Krankenpfleger haben Vorbehalte. Sie betrachten Patienten mit Fettleibigkeit teils als "wertlos" und "Zeitverschwendung", hat die US-Wissenschaftlerin Tomiyama beobachtet. Das hat auch Folgen für die Versorgung der Betroffenen. "Obwohl übergewichtige Frauen ein größeres Risiko für Gebärmutter- oder Eierstockkrebs haben, werden Unterleibsuntersuchungen teilweise verspätet durchgeführt", schreibt Tomiyama. 

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