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ARTENSCHUTZ Fehlerhafte Fisch-Fibel von Greenpeace

aus DER SPIEGEL 51/2009

Das bundeseigene Institut für Seefischerei in Hamburg ist verärgert über eine neue Greenpeace-Broschüre zum richtigen Einkauf von Speisefisch. »Der Ratgeber gibt zum Teil falsche Tipps und verbreitet Panik«, kritisiert der Institutsbiologe Alexander Kempf. »So sollen Garnelen und Heringe aus der Nordsee vom Teller verschwinden, weil sie angeblich bedroht sind. In Wahrheit sind die Bestände gesund.« Unverständlich sei zudem, warum der Kabeljau auf der Roten Liste stehe, so Kempf: »Im Nordostatlantik befinden sich die Bestandszahlen derzeit auf einem Rekordhoch wie seit den sechziger Jahren nicht mehr. Die Lage wird dramatischer dargestellt, als sie ist.« Die Umweltaktivisten halten dagegen, dass viele Fischgründe nicht nachhaltig bewirtschaftet würden; das Fischerei-Institut sei zu blauäugig. Ein offizielles »ganzjähriges Fangverbot« für Makrelen, wie in der Broschüre behauptet, bestehe allerdings in der Tat nicht. Kritik übt das Bundesinstitut auch daran, dass Greenpeace die Scholle vom Speisezettel verbannt sehen möchte. »Dieser Plattfisch bewegt sich in biologisch sicheren Grenzen, er ist nicht bedroht«, konstatiert Kempf. »Das bestreiten wir nicht, aber Schollen werden brutal mit Grundschleppnetzen gefangen, die den Meeresboden durchpflügen«, heißt es in einer Greenpeace-Erwiderung. Auch bei der Einschätzung der Aquakultur gibt es Streit. Greenpeace preist neben Karpfen und der Forelle auch den Verzehr von Pangasius. Dieser Farmfisch wird in Vietnam in Abertausenden Teichen und Schwimmkäfigen gehalten. Die Weltproduktion stieg in den letzten Jahren von 10 000 auf 1,1 Millionen Tonnen. »Man behandelt die Tiere oft mit Antibiotika. Ihr Kot zerstört sensible Naturräume, zudem gibt es viele illegale Zuchtanlagen«, entrüstet sich Kempf. Greenpeace dagegen hält die Situation in Vietnam für erträglich.

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