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LUFTFAHRT Fliegende Zeitbombe

aus DER SPIEGEL 39/2009

Die Ursache für die Bruchlandung vergangene Woche in Stuttgart wirft Sicherheitsfragen bei dem Betreiber der Maschine auf, dem Lufthansa-Regionalpartner Contact Air. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ist auf ein münzgroßes Metallteil gestoßen, welches das Hydrauliksystem des Fahrwerks blockiert hat. Nach neuesten Erkenntnissen flog dieses Bruchstück jahrelang unentdeckt wie eine Zeitbombe in dem Flugzeug mit. »Es stammt von einem Ventil alter Bauart, das schon vor etlicher Zeit ausgebaut worden ist«, erklärt Wim Pasteuning, Vizechef von Fokker Services. Bei dem niederländischen Unternehmen wurde die Maschine mit Registrierung D-AFKE im August einem großen sogenannten C-Check unterzogen, ehe sie an Contact Air übergeben wurde. Pasteuning: »Das Stück war so klein, ich bezweifle, dass es bei den vorangegangenen C-Checks aufgefallen wäre.« Am vorigen Montag, auch SPD-Parteichef Franz Müntefering war an Bord, geriet das Teil in Bewegung und löste den Fahrwerksausfall aus. Jetzt muss die BFU tief in die Wartungslisten schauen, um zu ermitteln, wann und wo bei der Reparatur geschlampt wurde. Das Flugzeug war seit 1995 zunächst für die brasilianische Fluggesellschaft TAM unterwegs, die vergangenen fünf Jahre für die taiwanische Mandarin Airlines; erst im Sommer hat Contact Air die Maschine geleast. »Wir sind davon ausgegangen, dass das Flugzeug nach der Kontrolle durch Fokker wie neu ist«, so Contact-Air-Geschäftsführer Manfred Gärtner. Ein Sicherheitsrisiko durch Flugzeuge exotischer Herkunft sieht er nicht. Eine andere Fokker 100 von Contact Air war fast vier Jahre lang bei der indonesischen Airline Merpati im Einsatz, die in der EU Einflugverbot hat.

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