Aggressiver Allesfresser Französische Fischer kämpfen gegen Blaukrabbenplage

Die aus Nordamerika stammende Blaukrabbe breitet sich in Südfrankreich aus und verdrängt Aale, Austern und Muscheln. Fischer sehen ihre Lebensgrundlage bedroht und bitten Präsident Macron um Hilfe.
Blaukrabben fressen alles: Pflanzen, Fische und Muscheln

Blaukrabben fressen alles: Pflanzen, Fische und Muscheln

Foto: André Chung / The Washington Post / Getty Images

Sie kamen im Ballastwasser von Schiffen nach Europa und vermehren sich nun rasant: Blaukrabben sind nicht nur im Mittelmeer zu finden, sondern zunehmend auch in Küstenseen und Lagunen. In Südfrankreich sind die invasiven Krabben aus Nordamerika bereits dabei, andere Tiere wie Aale, Muscheln und Austern zu verdrängen.

»Früher fingen wir zehn bis 15 Kilogramm Aale pro Fahrt«, sagte Fischer Yves Rougie, der auf dem See Canet-Saint-Nazaire seine Netze auswirft. Beim letzten Mal sei er mit nur vier Aalen zurückgekommen, von denen drei tot waren, und mit 450 Kilogramm Blaukrabben. Diese sind zwar auch essbar, aber bei französischen Gastronomen nicht besonders beliebt.

Mehr als 50 Kilogramm zum Spottpreis von zwei Euro pro Kilo werde er nicht los, erzählt der Fischer. In den USA können die Schwimmkrabben dagegen bis zu 90 Dollar pro Kilo einbringen. Die Behörden ermutigen die französischen Fischer, die Tiere trotzdem zu fangen, um die Population so gut es geht zu kontrollieren. Für Fischer Rougie ist das ein aussichtsloses Unterfangen: »Ein Krabbenweibchen legt zwei Millionen Eier. Selbst wenn nur fünf Prozent schlüpfen, kann ihre Art überleben«, sagt er.

Die Austern- und Muschelfischerei ist akut bedroht

Während Präsident Emmanuel Macron am Freitag an der Eröffnung des Kongresses der International Union for Conservation of Nature (IUCN) in Marseille teilnahm, forderten Fischer und Wissenschaftler zeitgleich die Regierung auf, die Bemühungen der Fischer zur Eindämmung der Population der blauen Krebse zu unterstützen.

»Dies sollte finanziert werden, und die Fischer sollten von den regionalen Behörden und dem Staat für diese Arbeit bezahlt werden, die im Grunde eine öffentliche Aufgabe ist«, sagte Pascal Romans, Leiter des nahe gelegenen Ozeanologischen Observatoriums von Banyuls-sur-Mer. Ansonsten sei die Austern- und Muschelfischerei, die ein wichtiger Wirtschaftszweig in Südfrankreich ist, akut bedroht.

Während sich die Blaukrabben seit etwa 2017 in Südfrankreich stark vermehren, tauchten sie auf der anderen Seite des Mittelmeers schon früher auf. In Tunesien waren die Neuankömmlinge bei Fischern so gefürchtet und verhasst, dass sie die Art »Daesh« tauften – Arabisch für die Terrorgruppe »Islamischer Staat« (IS). Später entstanden Krabbenfabriken und aus der Plage wurde ein Exportschlager.

fww/ rtr

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