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ÖKOLOGIE Fraßen Ratten die Osterinsel kahl?

aus DER SPIEGEL 36/2006

Die Osterinsel gilt unter Ökologen als Musterbeispiel für eine Zivilisation, die ihre eigene Grundlage vernichtete: Große Teile der Palmenwälder fielen der Brandrodung zum Opfer. Zahlreiche Bäume wurden für den Bootsbau abgeholzt oder für den Transport der Steinblöcke, aus denen die Insulaner gewaltige Statuen fertigten. Binnen wenigen Jahrhunderten war die Insel kahl und unfruchtbar. Der US-Archäologe Terry Hunt präsentiert nun aber noch ganz andere Missetäter. Die ersten Zuwanderer, die im 12. Jahrhundert das einsame Eiland im Südostpazifik erreichten, hatten Ratten an Bord ihrer Schiffe, wohl als lebenden Proviant. Weil die Tiere auf der Osterinsel außer dem Menschen keine Feinde vorfanden, konnten sie sich rapide vermehren - auf zwei bis drei Millionen Exemplare, schätzt der Forscher. Fast alle Nussreste, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, waren denn auch angenagt und unfruchtbar. Neue Studien auf vergleichbaren Inseln haben ergeben, dass Ratten der Vegetation empfindlich zusetzen können. Deshalb plädiert Hunt nun auf Schuldminderung für die Insulaner: Den Hauptteil der Palmenbestände haben wohl die Nager auf dem Gewissen.

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