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SPIELE Fußball für flinke Finger

aus DER SPIEGEL 25/1998

Rund 50 Computerspiele, die sich mit Fußball befassen, sind derzeit auf dem Markt; darunter etliche von miserabler Qualität. Das Spiel »Golden Goal 98« der Firma Take 2 verheißt zum Beispiel erstmals originalgetreue Spielfiguren. 200 Helden des Weltfußballs seien dafür gescannt worden. Die digitalen Klone stapfen allerdings übers Feld wie Holzprügel, denen man abschreckende Gummimasken übergezogen hat, und die Bedienung der Software ist sehr sperrig. Anders geht es bei dem einzigen Spiel zu, das eine WM-Lizenz erlangt hat: »Frankreich 98«, entwickelt von der Firma Electronic Arts, zeigt, wie realistisch Computerfußball bereits sein kann. Wer die Augen zukneift, könnte sich in einer Fernsehübertragung wähnen, nur daß er hier selber mitspielt. Der Zuschauer steuert jeweils die Figur aus der eigenen Mannschaft, die den Ball hat, durchs Getümmel. Spezielle Tastenkommandos lösen Querpässe oder Steilvorlagen aus. Wer mit den Fingern flink genug über die Tastatur grätscht, kann seinen Fußballer auch zu Fallrückziehern, gehechteten Kopfbällen und Hackentricks bewegen. Nach gelungenen Aktionen jubelt ordnungsgemäß das Publikum, und auf Tastendruck erschallt eine Extraportion Fanfarengeheul von den Rängen. Die Figuren auf dem Platz bewegen sich menschenähnlich: Die Firma hat reale Verteidiger, Mittelfeldspieler, Stürmer und Torhüter im Studio abgefilmt. Der Spielmacher vor dem Bildschirm übernimmt abwechselnd die Rollen der Spieler und zugleich die des Trainers, der bei Gelegenheit eine Abseitsfalle befehligen kann oder den Alleingang des linken Flankengottes. Alle Szenen lassen sich wiederholen und aus jeder Kameraperspektive nachschmecken. So ist immer reichlich zu tun - außer man läßt die Fingerakrobatik des Steuerns lieber bleiben, macht ein Bier auf und sieht den Computermannschaften zu, wie sie programmgesteuert gegeneinander anrennen.

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