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Strahlenschutz Gefährlicher Höhenflug

aus DER SPIEGEL 1/1996

Wie gefährlich ist die Strahlenbelastung bei Langstreckenflügen in großer Höhe? Für Piloten und Flugbegleiter, so zeigen jüngste Untersuchungen, ist das Risiko offenbar größer als bislang angenommen. So ergab eine finnische Studie, daß bei 1577 Stewardessen die Brustkrebsrate knapp doppelt so hoch lag wie im Bevölkerungsdurchschnitt; Knochenkrebs trat gar 15mal häufiger auf. Bremer Strahlenbiologen entdeckten bei neun Lufthansa-Besatzungsmitgliedern eine siebenfach erhöhte Zahl von Chromosomenschäden. Inzwischen gab auch das Bonner Verkehrsministerium eine Chromosomen-Analyse in Auftrag: 50 Stewardessen sollen vom Berliner Robert-Koch-Institut untersucht werden. Zugleich soll das Heidelberger Krebsforschungszentrum eine Mortalitätsstudie erstellen, die 20 000 Lufthansa-Piloten und -Flugbegleiter erfaßt; die Krankheitsgeschichten, die bis in die sechziger Jahre zurückreichen, stellt die Lufthansa zur Verfügung. Allerdings, selbst wenn die Untersuchungen den Verdacht auf ein erhöhtes Krebsrisiko bestätigen, bleiben sie für die Praxis wohl folgenlos: Für 1996 plant die EU neue Strahlenschutzrichtlinien, die den zulässigen Strahlengrenzwert auf 20 Millisievert pro Jahr für Langzeitflieger festlegen - das entspricht einer Verdopplung der bislang in Deutschland geltenden Werte.

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