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TIERE Gefährten aus dem Genlabor

Südkoreanische Forscher schufen den ersten Klonhund. Hunderte Herrchen und Frauchen wollen nun ihre Vierbeiner kopieren lassen.
aus DER SPIEGEL 32/2005

Sechs Hunde, darunter einen Dobermann und einen Husky, besaß Professor Hwang Woo Suk schon. Jetzt hat der südkoreanische Tierarzt sich einen siebten angeschafft: Snuppy, den ersten Klonhund der Welt.

Die Herstellung des offensichtlich gesunden Windhund-Welpen begründet Hwang, 53, zwar mit medizinischen Zielen: »Viele Krankheiten, die in Hunden vorkommen, kann man direkt auf Menschen übertragen.«

Doch die Klonkunde aus Korea lässt nicht so sehr malade Menschen hoffen; vielmehr werden Frauchen und Herrchen hellhörig: Zum ersten Mal seit der Domestikation des Wolfs erscheint es machbar, einen geliebten Vierbeiner so lange als Gefährten zu behalten, wie man will: jeweils als hündische Kopie des Vorgängers.

Dass ein geklonter Dackel schon aufgrund unterschiedlicher Umwelteinflüsse ein vielleicht gänzlich anderes Wesen besäße als der Fiffi davor, ficht etliche Hundefreunde nicht an. Hunderte von ihnen haben bereits genetisches Material ihrer Schützlinge an die weltweit erste Haustier-Klonfirma namens Genetic Savings & Clone im kalifornischen Sausalito geschickt, die sich bislang auf das Kopieren von Katzen beschränkte (Preis: 32 000 Dollar pro Kopie). Zu den Einsendern zählt nach Firmenauskunft auch ein Mann aus Stuttgart: Er will seinen temperamentvollen Labrador-Retriever dereinst zumindest genetisch auferstehen sehen.

Und nachdem der beste Freund des Menschen nun geklont ist, schwant es Kritikern, werde in Kürze wohl auch der erste Mensch genetisch kopiert. »Das ist eine Art Trockenübung für die Debatte ums Menschenklonen«, prophezeit Nigel Cameron, Bioethiker aus Chicago. »Was wir mit unseren Hunden machen, werden wir am Ende womöglich mit unseren Kindern anstellen.«

Aber auch in wissenschaftlicher Hinsicht nimmt Snuppy (abgekürzt nach »Seoul National University Puppy") in der Menagerie der Klontiere eine Sonderstellung ein. Zum ersten Säugerklon, dem 1996 produzierten Schaf Dolly, gesellten sich alsbald die Katze Copycat, die Ratte Ralph, das Kalb Uschi sowie genetische Kopien von Maultieren, Mäusen, Kaninchen, Pferden, Hirschen und Ziegen.

Doch auf den Hund zu kommen, daran hatten Kloner sich lange die Zähne ausgebissen. US-Forscher - zunächst an einer texanischen Universität und nunmehr bei Genetic Savings & Clone - plagen sich im achten Jahr damit, »Missy« zu klonen, die vor drei Jahren verblichene Promenadenmischung des amerikanischen Milliardärs John Sperling, 84.

Vertrackt ist die Fortpflanzungsbiologie der Kaniden: Eine Hündin hat pro Jahr nur zwei Eisprünge, und die lassen sich weder vorhersagen noch mit Hormonen hervorrufen. Überdies sind die Eizellen, die den Eierstock verlassen, unreif. Man kann sie nicht mit einer Saugnadel entnehmen, sondern muss sie aufwendig aus dem Eileiter spülen.

In einem drei Jahre dauernden Kraftakt haben die koreanischen Klonfabrikanten den Erfolg erzwungen. 1095 Embryonen setzten sie in 123 Hündinnen und erzielten gerade mal drei Schwangerschaften: Die erste endete im Spontanabort, die zweite führte zu keinem lebenstüchtigen Wesen, die dritte brachte Snuppy hervor. Er ist aus der Hautzelle eines Afghanen-Rüden entstanden, die in eine entkernte Eizelle gesteckt wurde. Ausgetragen wurde der mutterlose Klon von einer Labrador-Retriever-Ammenhündin.

Die Details der reproduktionsmedizinischen Großoffensive werden in der neuesten Ausgabe von »Nature« enthüllt; für durchschnittlich begüterte Hundehalter ist das Verfahren unbezahlbar. Die Firma Genetic Savings & Clone will deshalb spätestens im nächsten Jahr eine vergleichsweise erschwingliche Klontechnik anbieten (vermutlich ein paar tausend Dollar über dem Katzenpreis).

»Würden wir nach dem koreanischen Protokoll Hunde klonen«, sagt Firmensprecher Ben Carlson, »müssten wir von unseren Kunden jeweils etliche Millionen Dollar verlangen.« JÖRG BLECH

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