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TIERE Geier in Gefahr

aus DER SPIEGEL 39/2001

Indische Naturschützer wollen selbst Brutpflege treiben, um das Massensterben der Geier in ihrem Land zu stoppen. Ein tödliches Virus hat in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Aasfresser dramatisch reduziert. Allein in einem Nationalpark der Provinz Radjastan schrumpfte die Zahl der Nester im letzten Jahr von 353 auf 25. Die kranken Vögel zeigen Symptome, die der menschlichen Gicht ähneln: Sie lassen Kopf und Hals hängen, erscheinen träge und können sich nicht mehr aufrichten. »Nur noch fünf Prozent der verbliebenen Tiere sind gesund«, sagt der Bombayer Naturschützer Vibhu Prakash, »es ist höchste Zeit, diese einzufangen und in Sicherheit zu bringen.« Die Naturschützer hoffen, dass sich die Vögel in Gefangenschaft vermehren und gesunde Nachkommen zur Welt bringen. Aasgeier helfen nicht nur bei der Müllbeseitigung in Indiens verstopften Straßen, sie betätigen sich auch als Totengräber der Parsen: Die Vögel fressen die Verstorbenen dieser Religionsgemeinschaft, die monatelang in offenen hohen Türmen Sonne und Luft ausgesetzt sind.

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