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Gen-Experimente erleichtert

aus DER SPIEGEL 20/1988

Im Kampf für eine Lockerung ihrer Forschung haben Amerikas Gen-Ingenieure einen weiteren Sieg errungen. Voraussichtlich noch in diesem Monat sollen die Richtlinien zur Genehmigung von Freisetzungsexperimenten mit gentechnisch veränderten Mikroben erheblich erleichtert werden. Wie Mitarbeiter der amerikanischen Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) inoffiziell mitteilten, sollen Mikroben für Freiland-Versuche nur noch dann der bisherigen strikten Kontroll- und Genehmigungspflicht unterliegen, wenn ihnen Gene einer gänzlich verschiedenen Bakterien-Art oder Gene aus höheren Organismen eingeschleust wurden. Veränderungen innerhalb eines Mikroben-Genoms oder die Übertragung eines Gens aus einem nahe verwandten Bakterienstamm, so die Meinung der EPA-Beamten, würden inzwischen für unbedenklich gehalten. Die Überwachung entsprechender Freiland-Experimente soll künftig den Universitäten und Forschungsfirmen selbst übertragen werden. Kritiker wie Nachama Wilker, Direktor des wissenschaftlichen »Komitees für verantwortbare Genetik«, warnen vor der neuen Regelung. Wenn Forscher und Firmen sich künftig »selbst kontrollieren müssen«, so Wilker, »wird sie das unweigerlich in Interessenkonflikte stürzen«.

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