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MEDIKAMENTE Gerüchte um Schlafmittel Contergan

aus DER SPIEGEL 8/2009

Der Arzneihersteller Grünenthal widerspricht dem Verdacht, dass das 1957 auf den Markt gebrachte Schlafmittel Contergan in einem Nazi-Konzentrationslager entwickelt wurde. Der Sprecher der rund 450 britischen Contergan-Opfer behauptet, dass KZ-Ärzte den fatalen Wirkstoff Thalidomid bereits während des Krieges in Auschwitz-Monowitz als Gegenmittel zum Nervengas Sarin entwickelt hätten. Das gehe aus einem neu entdeckten Dokument hervor. Die Meldung sorgte vorige Woche für große Aufregung bei den weltweit über 6000 Contergan-Geschädigten. Doch Prüfungen ergaben, dass das Schriftstück kaum Beweiskraft hat. »Thalidomid wurde 1954 von drei Grünenthal-Mitarbeitern entdeckt«, heißt es nun in einer Stellungnahme der Pharmafirma. »Wir sind der alleinige Inhaber des Patents (18. Mai 1954, Nr. 1074584).« Auch der - allerdings umstrittene - argentinische Historiker Carlos De Napoli stellt in einem neuen Buch die Behauptung auf, dass die IG Farben bereits 1944 die chemische Formel für Thalidomid gekannt und unter der Bezeichnung »4589« an KZ-Häftlingen erprobt habe. Die deutsche Contergan-Stiftung will dem Verdacht jetzt weiter nachgehen.

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