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PHYSIK Gesang der Dünen

aus DER SPIEGEL 4/2007

Große Sanddünen verfallen mitunter in lautes Dröhnen; das Geräusch erinnert an eine tieffliegende Propellermaschine. Seit vielen Jahren rätseln Forscher, wie es dazu kommt. Sicher ist nur: Kleine Sandlawinen, die an der Windschattenseite der Düne zu Tal rutschen, lösen das unheimliche Gewummer aus. Aber warum machen auf der ganzen Welt nur bestimmte Dünen solchen Lärm, an rund 30 Orten insgesamt? Und warum dröhnt und

bebt der Untergrund noch lange nach, wenn der Sand schon zum Stillstand gekommen ist? Melany Hunt, Professorin für Maschinenbau am kalifornischen Caltech-Institut, rückte mit Bodenradar und Untergrundmikrofonen dem Rätsel zu Leibe. Jetzt hält sie es für gelöst: Bei den untersuchten Dünen fand Hunts Forschergruppe in etlichen Metern Tiefe Schichten härter zusammengebackenen, teils feuchten Sands - womöglich Resonanzkörper für das Rauschen der Sandlawinen. Messungen bestätigten die Vermutung: Wellen bestimmter Frequenzen, meint Hunt, würden zwischen Tiefenschichten und Oberfläche hin und her geworfen. Unter günstigen Bedingungen kommt es zu einer Rückkopplung, die sich aufschaukelt. »Ich vergleiche das mit einem Cello«, sagt Hunt. »Die abgleitende Sandschicht ist wie der Bogen, der über die Saiten streicht.«

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