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PSYCHIATRIE Gesichterkino für Autisten

aus DER SPIEGEL 4/2007

In Gesichtern zu lesen ist für autistische Kinder eine Qual. Sie sehen nur ein unbegreifliches Geknautsche von Zügen, klaffende Münder, gebleckte Zähne und Brauen, die sich krümmen. Ob so eine Visage lächelt oder Angst zeigt, bleibt den Kindern verborgen - es sei denn, sie bekommen Nachhilfe in Mimik. Einfache Mittel helfen dabei verblüffend gut, wie das Autismus-Forschungszentrum an der britischen Universität Cambridge herausfand. Direktor Simon Baron-Cohen ließ eine DVD mit 15 Trickfilmen speziell für autistische Kinder produzieren. Die kurzen Filme spielen in einer Modelleisenbahnwelt, wie Autisten sie lieben, und sie sind voll von sprechenden Lokomotiven, Straßenbahnen und Linienbussen mit übertrieben ausdrucksfreudigen Gesichtern. Die Kinder können beim Betrachten in Ruhe lernen, wie Menschen aussehen, wenn sie stolz, ängstlich, beschämt, empört oder glücklich sind. Ein erster Versuch mit vergleichsweise aufgeweckten kleinen Autisten zwischen vier und sieben Jahren verlief erstaunlich erfolgreich - nach vier Wochen täglichem Üben hatten die Probanden den Rückstand zu ihren normalen Altersgenossen aufgeholt.

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