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BIOTECHNOLOGIE Gewaschene Fresken

aus DER SPIEGEL 43/1997

Eine als besonders sanft geltende Wirkstoffklasse moderner Waschmittel soll, so hoffen Wissenschaftler der Universitäten Hannover und Oldenburg, Schäden an mittelalterlichen Wandmalereien in norddeutschen Kirchen beheben. Diese Schäden sind nicht zuletzt Spätfolgen einer Restaurierungsmethode aus den fünfziger Jahren, als die Fresken nach italienischem Vorbild zum Schutz gegen Verwitterung mit Casein, einem Hauptbestandteil des Milcheiweißes, überzogen wurden. Doch im feuchten norddeutschen Klima begannen die Caseinschichten nach einigen Jahren zu reißen und blätterten ab, teilweise mit den Farbschichten der Fresken. Der Schaden war, da auch Schimmelpilze und Bakterien prächtig gediehen, größer als zuvor. Biotechniker und Mikrobiologen der beiden Unis und ein dänischer Enzym-Hersteller kamen den ratlosen Denkmalpflegern zu Hilfe. Erste Versuche an Fresken der Wildeshausener Alexander-Kirche mit einem Brei aus Cellulose und den Waschmittel-Enzymen verliefen nach Auskunft der Forscher »äußerst ermutigend«. In den nächsten Monaten sollen nun in den Labors der Uni Hannover Kunststoffkissen - gefüllt mit Wasser und einer Enzymschicht auf der Oberfläche - entwickelt werden. Auf die Wandmalereien aufgedrückt sollen die Enzyme das Casein auflösen und das Wasser in den Kissen gleichzeitig die Reststoffe aufsaugen.

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