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ZOOLOGIE Giftige Ursäuger

aus DER SPIEGEL 37/2006

Die Urahnen aller Säugetiere, also auch des Menschen, waren vermutlich giftig. Wie Forscher um Jørn Hurum vom Naturhistorischen Museum in Oslo berichten, trugen die meisten frühen Säugetiere an ihren Hinterbeinen wahrscheinlich Giftsporne, die denen heutiger Schnabeltiere ähnelten. »Wir glauben, dass diese Strukturen wie bei Schnabeltieren dem Kampf zwischen konkurrierenden Männchen dienten«, sagt Hurum. In der Frühzeit der Säugerevolution könnten sie zudem zur Verteidigung gegen die damals dominierenden Dinosaurier eingesetzt worden sein. Hurum und seine Kollegen stützen ihre These auf Fossilienfunde aus dem Erdmittelalter, etwa aus China und der Mongolei. Winzige Stützknöchelchen in den Hinterfüßen zahlreicher Säugerfossilien weisen auf die hohlen, wahrscheinlich mit einer Giftdrüse verbundenen Sporne hin. Mit der Fortentwicklung der Säugetiere verschwinden die Strukturen - vermutlich als Folge einer verbesserten Lauftechnik: Während fast alle frühen Säuger ihre Beine ähnlich wie Reptilien zur Seite abspreizten, tragen heutige Vertreter der Gruppe ihre Extremitäten senkrecht unter dem Körper. Die Giftsporne, so Hurum, hätten bei dieser Fortentwicklung vermutlich zu »technischen Problemen« geführt: »Nur bei den australischen Schnabeltieren haben sie sich bis heute erhalten.«

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