Glossar zur Klimakrise - Begriff der Woche Anthropozän – das »Zeitalter des Menschen«

Noch streiten Geologen, ob sich die Erde in einem neuen Zeitalter befindet, dem sogenannten Anthropozän. Was der Klimawandel damit zu tun hat.
Foto: Robbie Goodall / Getty Images

Was ist das Anthropozän?

Hierbei handelt es sich um den Vorschlag für einen neuen Zeitabschnitt der Erdgeschichte. Der Name leitet sich von den altgriechischen Begriffen anthropos für Mensch und kainos für »neu« ab. Kainos oder -zän ist die klassische Endung der vorangegangenen Zeitabschnitte, etwa Holozän, Pliozän, Miozän. Im Jahr 2002 definierte der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen das Konzept vom Anthropozän als Nachfolger des bislang andauernden Holozäns offiziell im Wissenschaftsjournal »Nature«. Der Kerngedanke bei dem neuen Zeitalter ist der massive Einfluss der Menschheit auf die Umwelt seit der Industrialisierung, der auch noch in ferner Zukunft für Geologen etwa in Gesteinsschichten oder anhand von Fossilien nachweisbar sein wird.

Hierzu zählen neue Gesteine wie Beton und Asphalt, ein globales Artensterben beziehungsweise die massenhafte Verbreitung einzelner Arten (Hühner, Ratten, Kaninchen) oder die radioaktiven Hinterlassenschaften von Atombombentests und Kernkraftwerken. Noch ist es unter Wissenschaftlern umstritten, ob man anhand der vorliegenden Daten bereits von einer neuen Epoche der Erdgeschichte sprechen kann, die sich fundamental vom Holozän unterscheidet. Die oben genannten Merkmale sprechen jedoch dafür.

Was ist die Verbindung zwischen Klimawandel und Anthropozän?

Der Klimawandel ist ein wichtiges Element der massiven durch den Menschen verursachten Veränderungen. Auch er wird Spuren hinterlassen, die noch in Millionen von Jahren erkennbar sein werden. So wird etwa über zukünftige Fossilien und Sedimente die plötzliche Verschiebung der Klimazonen und auch die Verschiebung der Küstenlinie durch den Anstieg des Meeresspiegels erkennbar bleiben. Selbst der CO2-Gehalt der Atmosphäre wird mittelbar über Ablagerungen am Meeresgrund oder auch in Tropfsteinen »abgespeichert«. Dies sind bereits heute alles Quellen, über die es möglich ist, Klimaveränderungen in der Erdgeschichte zu rekonstruieren.

Das Besondere bei den aktuellen Veränderungen ist jedoch die Geschwindigkeit. Die natürlichen Prozesse erstreckten sich meist über Jahrtausende bis Jahrmillionen. Aktuell laufen sie aber eher in Jahrzehnten bis Jahrhunderten ab. Damit wären die gegenwärtigen Umwälzungen für zukünftige Geologen am ehesten vergleichbar mit dem Asteroideneinschlag zum Ende der Kreidezeit, der ebenfalls ein neues Zeitalter einläutete, nämlich das der Säugetiere.

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