Glossar zur Klimakrise – Begriff der Woche Entwaldung – Die »grüne Lunge« ist krank

Welche Ursachen hat die Zerstörung von Wald? Welche Rolle spielt dabei der Mensch, und wie wirkt sich das Schwinden der Wälder auf das Klima aus? Die wichtigsten Fragen im Überblick.
Regenwaldzerstörung (Symbolbild): Die Zahl der Waldbrände in Brasilien erreichte ein Zehnjahreshoch

Regenwaldzerstörung (Symbolbild): Die Zahl der Waldbrände in Brasilien erreichte ein Zehnjahreshoch

Foto: MsLightBox / Getty Images

Was ist Entwaldung?

Unter Entwaldung versteht man die Zerstörung großer Waldflächen. In der Regel sind diese Prozesse menschengemacht: Die Bäume werden entweder zur zusätzlichen Holzgewinnung gefällt oder gezielt durch Brände gerodet, um die frei gewordenen Gebiete für die Landwirtschaft oder als Weideflächen zu nutzen. Auch für die Gewinnung von Rohstoffen, etwa im Bergbau oder bei Ölbohrungen, werden Wälder abgeholzt.

Doch auch natürliche Waldbrände oder Stürme können zum Verlust von Waldgebieten führen. Den größten Anteil an der Zerstörung von Wäldern hat jedoch der Mensch. Seit er sesshaft wurde, wandelte er Wälder in Siedlungs- und Nutzflächen um. Durch Rodungen im Mittelalter schrumpfte der Wald in Deutschland schätzungsweise auf ein Drittel der Landfläche. In den folgenden Jahrhunderten fand die Entwaldung in Deutschland ihren Höhepunkt, Holz wurde zur Mangelware. Darum begann man im 19. Jahrhundert, Wälder großflächig wieder aufzuforsten , vor allem mit Kiefern und Fichten.

Heutzutage ist vor allem die Entwaldung des tropischen Regenwalds verheerend. Dieser wird in Palmöl-, Sojaplantagen oder Weideflächen umgewandelt, wertvolles Tropenholz wird ins Ausland verschifft. Allein in Brasilien schwindet der Regenwald rasant: Im Dezember 2020 gab das brasilianische Institut für Weltraumforschung (Inpe) bekannt, dass zwischen August 2019 und Juli 2020 11,088 Quadratkilometer Wald  im Amazonasgebiet zerstört worden seien – so viel wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Auch die Zahl der Waldbrände in Brasilien erreichte mit 222.798 ein Zehnjahreshoch, davon brannten allein 103.000 Feuer im Amazonasregenwald.

Wie wirkt sich die globale Entwaldung auf das Klimasystem aus?

Die Entwaldung hat gleich mehrere negative Effekte auf das Klima. Zum einen führt die Zerstörung der Wälder zu verstärkten Kohlendioxidemissionen: Bei der Brandrodung wird der im Holz gespeicherte Kohlenstoff in Form von CO₂ freigesetzt. Auch nach einem Kahlschlag kann Kohlenstoff aus den Böden freigesetzt werden. Zum anderen fallen die Bäume, die vorher CO₂ aus der Atmosphäre aufgenommen haben, als wichtige natürliche Kohlenstoffspeicher aus.

Dabei sind vor allem tropische Wälder ein wichtiger Kohlenstoffspeicher, eine sogenannte CO2-Senke. Allein ihre ungestörte Existenz könnte Schätzungen zufolge einen Anteil von 23 Prozent an den Maßnahmen haben, die nötig sind, um dem Klimawandel bereits kurzfristig entgegenzuwirken .

Außerdem verfügen Regenwaldgebiete über einen eigenen Wasserkreislauf: Über die Blätter verdunstet Wasser, das als Regen sowohl dem Wald selbst als auch umliegenden Regionen wieder zugeführt wird . Werden Bäume gerodet, schwächt sich dieser Kreislauf immer weiter ab. Wärme und Trockenheit nehmen zu, die Gefahr für weitere Brände steigt. Verschärfen sich diese Effekte, kann der Regenwald austrocknen und zur Savanne werden. Forscher befürchten, dass ein solcher Kipppunkt womöglich bald im Amazonasbecken erreicht sein wird. Schon in wenigen Jahrzehnten könnte es so weit sein, dass der restliche Amazonasregenwald nicht mehr genügend Wasser freisetzt, um das Regensystem zu erhalten. Er würde austrocknen und eine enorme Menge an Tier- und Pflanzenarten ginge verloren.

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Begriff der Vorwoche: Kohleausstieg

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