Zur Ausgabe
Artikel 75 / 107
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

ARCHÄOLOGIE Gottes Haus im Unglück

aus DER SPIEGEL 52/2002

Auf den »größten Pechvogel unter den Kirchen« glaubt der englische Archäologe Stephen Hill gestoßen zu sein. Bei Çiftik an der türkischen Schwarzmeerküste grub er die Reste eines christlichen Tempels aus, dem das Schicksal seit seiner Errichtung im 4. Jahrhundert übel mitspielte: Erst ließ ein schweres Erdbeben einen Teil des Rohbaus einstürzen und den Fußboden wegsacken. Dann, gerade als die Fliesenleger ein großes und kunstvolles Mosaik vollendet hatten, versank ihr Werk während einer Überschwemmung unter einer dicken Schlammschicht. Nach einem weiteren Erdbeben resignierten die Baumeister - in den Resten der Kirche wurde eine Töpferei untergebracht. Und wieder schlug das Unglück zu: diesmal in Form eines Erdrutsches. Nur die Vorhalle blieb bis ins Mittelalter stehen - und endete als Opiumhöhle. Deren Reste fanden Hill und Kollegen nun bei ihren Grabungen in Form von Pfeifen und Mohnsamen. Bald könnte das unselige Gemäuer, dessen Namenspatron Phocass sich einen Tag vor seinem Foltertod das eigene Grab schaufeln musste, ganz ins Meer rutschen: Die Forscher haben bereits neue Risse im Erdboden der Umgebung entdeckt.

Zur Ausgabe
Artikel 75 / 107
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.