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Gestorben Herbert W. Franke, 95

aus DER SPIEGEL 30/2022
Foto: Florian Voggeneder / laif

Eigentlich lebte er drei Leben. Im ersten wurde er 1927 in Wien geboren, dort studierte er auch einen bunten Strauß an Fächern, von Philosophie über Mathematik bis hin zu Psychologie. Er promovierte in Physik und wurde einer der einflussreichsten Science-Fiction-Autoren deutscher Sprache. Seine Romane wie »Der Orchideenkäfig« (1961) wurden vielfach ausgezeichnet, über 40 Jahre später schaffte er mit Werken wie »Cyber City Süd« ein Comeback. Der Universalgelehrte verfasste über 50 Drehbücher, Hörspiele, Sachbücher, Kunstbände und war auch als Herausgeber tätig. Sein zweites Leben war der Computerkunst gewidmet: Franke schaffte es mit einem von Software generierten Siebdruck 1970 auf die Biennale in Venedig. Außerdem war er 1979 Mitgründer der Ars Electronica, einem weltweit angesehenen Medienkunstfestival in Linz. Und als wäre das nicht genug, erkundete er auch noch die engen, feuchten Höhlenlabyrinthe tief im Herzen des Dachsteingebirges. Er machte sich einen Namen als Speläologe, seine Forschung half bei der Datierung von Tropfsteinen, was für die Klimaforschung wichtig ist. Zu seinem 95. Geburtstag ehrte ihn ein Kunstmuseum in Linz mit einer Einzelausstellung unter dem Titel »Visionär«. Nur wenige Wochen vor seinem Tod versteigerte er NFTs, die neuartige Kryptokunst, um eine Stiftung zu finanzieren, die sich dem Brückenschlag zwischen Kunst und Wissenschaft widmen soll. Herbert W. Franke starb am 16. Juli im oberbayrischen Puppling.

hil
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