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Hirnhälften im Widerstreit

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aus DER SPIEGEL 5/1987

An Versuchen, die Ursachen der Lese- und Rechtschreibschwäche ("Legasthenie") zu erklären, mangelt es nicht - körperliche wie auch seelische Schäden wurden schon dafür verantwortlich gemacht. Amerikanische Neurologen glauben nun endgültig zu wissen, warum sogar prominente Geistesgrößen wie Thomas Edison, Albert Einstein oder Winston Churchill mit diesem Übel zu kämpfen hatten: Eine Entwicklungsstörung des Hirns, im zweiten Drittel der Schwangerschaft etwa durch Viren oder durch Streßbelastung der Mutter ausgelöst, kann nach Ansicht von Albert M. Galaburda von der Harvard Medical School zur Legasthenie führen. Anhand von vergleichenden Untersuchungen der Hirne legasthenischer und nicht legasthenischer Patienten kam der Neurologe zu dem Schluß, daß die Lese- und Rechtschreibschwäche auf eine ungewöhnliche Organisation der Hirnfunktionen zurückgehe: Bestimmte Areale der rechten Hirnhälfte hätten sich bei den Betroffenen während der Bildung der Großhirnrinde überdurchschnittlich stark entwickelt. Diese stärker ausgeprägte Hälfte, so der Forscher, »rivalisiert« später mit den eigentlich für Sprache zuständigen Arealen der linken Hirnhälfte um die Kontrolle von Lesen und Schreiben. Aufgrund seiner Erkenntnisse, meint der Neurologe, ließen sich Methoden entwickeln, der Legasthenie künftig frühzeitig gegenzusteuern.

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