Analyse Hunderter Studien Extremwetterereignisse sind durch Klimawandel weltweit wahrscheinlicher geworden

Hitzewellen, Starkregen und Stürme sind durch die menschengemachte Klimaerwärmung in den meisten Fällen wahrscheinlicher geworden – und teils auch intensiver.
Überflutungen im Bundesstaat North Carolina in den USA

Überflutungen im Bundesstaat North Carolina in den USA

Foto: Chip Somodevilla / Getty Images

Deutschland hatte diese Woche wieder mit einer außerordentlichen Hitzewelle zu tun. Temperaturen von teils über 40 Grad und extreme Trockenheit zählen zu sogenannten Extremwetterereignissen, die teils dramatische Folgen haben. Derzeit brennen zahlreiche Wälder, Bauern beklagen Ernteverluste, viele Menschen leiden unter gesundheitlichen Folgen der Hitze.

Solche Wetterextreme gab es immer – doch werden sie mit der Klimakrise wahrscheinlicher und teilweise auch heftiger. Das ist das Ergebnis einer Analyse von 500 Extremwetterereignissen und den dazugehörigen Attributionsstudien, die der »Guardian«  zusammen mit Klimaforscherinnen ausgewertet hat. Es sei besorgniserregend, dass dieser starke Einfluss der Klimakrise auf das Extremwetter bereits bei einem Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur um nur ein Grad Celsius geschieht, schreiben die Journalisten und Wissenschaftler.

Die Zuschreibung, wie viel Klimawandel in einzelnen Wetterereignissen steckt, sorgt regelmäßig für Diskussionen. Die Attributionsforschung, ein recht junger Zweig der Klimawissenschaft, versucht diese Frage zu klären. In den Studien schätzen Forscher anhand von Klimamodellen ab, wie sehr sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis auftritt, durch den Klimawandel verändert hat.

Studienergebnisse zu Extremwetterlagen

Die Klimainformations-Website Carbon Brief  stellte dem »Guardian« eine Datenbank mit Zuordnungsstudien von mehr als 500 Ereignissen zur Verfügung. Die Journalistinnen werteten sie aus: Rund 71 Prozent der 500 untersuchten Wetterereignisse wurden durch den vom Menschen verursachten Klimawandel wahrscheinlicher oder schwerwiegender gemacht. Besonders eindeutig ist das für Hitzewellen: Rund 93 Prozent der untersuchten Ereignisse haben einen klaren Bezug zum Klimawandel. Bei Dürren sind es immerhin 68 Prozent und 56 Prozent bei Überschwemmungen. Bei Kälteeinbrüchen liegt der Anteil des Klimawandels an deren Auftreten hingegen nur bei neun Prozent.

Die jährlichen Schäden durch Extremwetter liegen auch in Deutschland bei über sechs Milliarden Euro

Die jährlichen Schäden durch Extremwetter liegen auch in Deutschland bei über sechs Milliarden Euro

Foto: Marc Piscotty / Getty Images

Die Folgen für Menschen, aber auch die Volkswirtschaften sind dramatisch, resümieren die Autoren: Einer von drei durch Hitzewellen verursachten Todesfälle in den letzten drei Jahrzehnten war die direkte Folge des Klimawandels. Nach dieser Rechnung hat der Klimawandel bereits heute Millionen Menschenleben gefordert. Zudem entstehen über die Jahre materielle Schäden in Billionenhöhe.

»Die Welt verändert sich schnell und die Klimakrise fügt uns bereits großen Schaden zu – das ist die unverblümte Zusammenfassung der Studie«, sagte Prof. Maarten van Aalst, der Direktor des International Red Cross Red Crescent Climate Centre, dem »Guardian«. Die Welt sei derzeit auf Kurs für einen Anstieg von mindestens 2,5  Grad Celsius.

sug
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.