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Hollywood im Fieber

aus DER SPIEGEL 2/1995

Jedem, der auch nur ein bißchen vom Film verstand, war gleich klar: Das war einzigartiger Stoff für einen Thriller. Richard Preston hatte im New Yorker die dramatische Geschichte eines afrikanischen Affenvirus geschildert, das 1989 plötzlich mitten in einem Vorort von Washington aufgetaucht war. Wie er das Sterben der Affen, die Suche nach dem Ursprung des Virus in der kenianischen Kitum-Höhle und die Angst der Forscher in ihren Sicherheitslabors beschrieb - das las sich wie ein Drehbuch in Embryoform.

Als Preston vorigen Oktober mit der Langfassung seiner Story auf den US-Buchmarkt kam**, war in Hollywood längst das Preston-Fieber ausgebrochen. Produzenten hatten sich überboten, um an die Rechte für Prestons Geschichte von der Beinahe-Katastrophe in der US-Hauptstadt heranzukommen. Und in den Viruslabors der US-Army - Handlungsort des Thrillers - waren sich Drehbuchautoren und Regisseure über den Weg gelaufen.

20th Century Fox hatte im Kampf um die Rechte obsiegt und beschlossen: »Crisis in the Hot Zone« sollte der große Film des Jahres 1995 werden. Auf das Drehbuch hatte man ** Erscheint im Februar in Deutschland. Ri- _(chard Preston: »Hot Zone«. ) _(Droemer-Verlag, München; 368 Seiten; ) _(39,80 Mark. * Im Schutzanzug vor der ) _(Kitum-Höhle. ) sich geeinigt. 50 Millionen Dollar waren im Etat lockergemacht. Robert Redford (Gage: acht Millionen Dollar) und Jodie Foster (sechs Millionen) waren als Stars gewonnen.

Es wurde der Flop des Jahres. Redford wollte einen Film mit Öko-Botschaft über einen unerschrockenen Virologen. Foster wollte einen Öko-Thriller über eine unerschrockene Pathologin. Der Regisseur Ridley Scott ("Alien«, »Thelma und Louise") wollte einen Abenteuerfilm mit viel High-Tech. Am Ende wurde gar nichts.

Erst kündigte Jodie Foster, deren Rolle an Gewicht verloren hatte. Dann sagte Meryl Streep ab, die einen Film mit Clint Eastwood reizvoller fand. Schließlich gab auch Redford auf.

Unterdessen plant der Konkurrent Warner, im Kampf um die Rechte an Prestons Story unterlegen, demnächst mit dem Konkurrenzfilm »Outbreak« in die Kinos zu kommen. Statt der wahren Geschichte der Reston-Viren will der Regisseur Wolfgang Petersen ("Das Boot«, »In the Line of Fire") die fiktive Geschichte eines Virenausbruchs in den USA verfilmen. Die Hauptrolle spielt Dustin Hoffman.

»Wir treiben die Geschichte einen Schritt weiter«, erklärt Petersen. Die Wahrheit mag authentischer sein, die Fiktion erlaubt mehr Tote.

** Erscheint im Februar in Deutschland. Richard Preston: »Hot Zone«.Droemer-Verlag, München; 368 Seiten; 39,80 Mark. * Im Schutzanzugvor der Kitum-Höhle.

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