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Tuberkulose Infektion über den Wolken

aus DER SPIEGEL 21/1996

Eine Touristin hat auf einem Langstreckenflug mehrere Mitreisende mit Tuberkulose angesteckt. Zu diesem Ergebnis kamen US-Seuchenmediziner nach einer mit detektivischer Kleinarbeit verbundenen Aufklärung. Ausgangspunkt für die Ansteckungswelle war eine junge Frau aus Korea, einem Land, in dem Tuberkulose weit verbreitet ist. Sie befand sich auf dem Flug von Chicago nach Honolulu im April 1994 in einem so hochinfektiösen Zustand, daß sie wahrscheinlich sechs Prozent ihrer Mitreisenden in dem Boeing-747-Jumbo ansteckte. Die größte Gefahr bestand für jene Passagiere, die in einem Abstand von nur zwei Sitzreihen von der Tbc-Kranken saßen. Bei der Untersuchung der am stärksten gefährdeten Mitreisenden zeigte sich, daß von den 15 Passagieren, die positiv auf einen Tbc-Test reagierten, 6 sich mit Sicherheit im Flugzeug angesteckt hatten, da es bei ihnen keine anderen Risikofaktoren gab. Vieles spricht dafür, daß sich solche Szenarien in Zukunft häufen: Allein innerhalb der USA reisen pro Jahr bis zu 445 Millionen Menschen mit dem Flugzeug, 35,5 Millionen erreichen die USA auf internationalen Flügen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO registrierte in den letzten zehn Jahren etwa 90 Millionen neue Fälle von Tuberkulose.

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