Abschied von der ISS Russland stellt Modell einer eigenen Raumstation vor

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine ist die Zukunft der Internationalen Raumstation ISS ungewiss. Russland hat nun den Entwurf einer eigenen Raumstation im Erdorbit gezeigt – und nährt damit Spekulationen über einen Ausstieg.
Modell der geplanten russischen Raumstation: Sie soll einen breiten Blick über die Erde ermöglichen

Modell der geplanten russischen Raumstation: Sie soll einen breiten Blick über die Erde ermöglichen

Foto: Maxim Shemetov / REUTERS

Russland will sich offenbar weiter von westlichen Ländern abkoppeln – auch außerhalb der Erdatmosphäre. Deswegen hat die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos ein Modell für eine geplante Raumstation vorgestellt. Mit der Präsentation hat Russland Spekulationen über einen Ausstieg aus der Internationalen Raumstation ISS genährt.

Die russische Weltraumagentur Roskosmos hatte unlängst erklärt, die Zusammenarbeit mit der Nasa gekündigt zu haben und sich nach 2024 aus der ISS zurückziehen zu wollen. »Natürlich werden wir alle unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern erfüllen, aber die Entscheidung über den Ausstieg aus dieser Station nach 2024 ist gefallen«, sagte Roskosmos-Chef Juri Borissow im Juli. Nach Angaben der Nasa soll die Kooperation jedoch bis mindestens 2028 weitergehen.

Im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben westliche Länder Sanktionen gegen das Land verhängt, auch gegen die russische Raumfahrtindustrie. Die ISS ist derweil auf die Kooperation der beteiligten Staaten angewiesen.

Zweimal im Jahr bemannt

Bisher haben die USA und Russland auch in Zeiten politischer Spannungen ihre Raumfahrtkooperation aufrechterhalten. Doch die Präsentation der von russischen Staatsmedien als »ROSS« bezeichneten russischen Raumstation deutet nun in eine andere Richtung.

Das bei einer Rüstungs- und Industriemesse in der Nähe von Moskau von der Raumfahrtbehörde Roskosmos präsentierte Modell zeigt, dass die Station nach aktueller Planung nicht ständig, sondern nur zweimal im Jahr für einen längeren Zeitraum bemannt werden soll. Roskosmos hatte zuvor erklärt, die Station werde den russischen Kosmonauten einen viel breiteren Blick auf die Erde zu Überwachungszwecken bieten, als sie derzeit auf der ISS hätten. Dmitri Rogosin, der als Hardliner geltende frühere Chef von Roskosmos, hatte angedeutet, die neue Raumstation könne bei Bedarf auch einen militärischen Zweck erfüllen.

Bereits zuvor hatte Rogosin nicht ausgeschlossen, das russische Modul der ISS abzukoppeln – damals deutete er auch eine mögliche Nutzung der Station zur militärischen Erdbeobachtung an.

ani/Reuters
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