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BOTANIK Jäger der grünen Juwelen

aus DER SPIEGEL 32/2001

So trag ich denn unaufhörlich schmutzige Wäsche und ungeputzte Stiefel schwer auf dem Herzen, und vor lauter Schildwachestehen vor Pflanzen-Päckchen in der Sonne komme ich zu gar nichts«, schrieb Adelbert von Chamisso 1816 von der Pazifikinsel Concepción nach Hause. Der Dichter des Phantastischen, in der Heimat als Schöpfer des »Peter Schlemihl« bekannt, erklärte die Botanik zu seiner eigentlichen Berufung und segelte mit der Romanzoffschen Expedition um die Welt. Auch andere Pflanzenmaniacs schleppten Botanisiertrommel und Trockenpresse durch unwegsames und gefährliches Gelände, um exotische Heil- und Zierpflanzen nach Europa zu bringen. Den Abenteuer- und Forschungsreisenden des 18. und 19. Jahrhunderts, ohne die im Biergarten keine Kastanien und auf dem Balkon keine Geranien wachsen würden, widmet der Frankfurter Palmengarten jetzt die Ausstellung »Grünes Gold - Abenteuer Pflanzenjagd«. Zu Chamissos Zeit brachten Mitreisende seiner botanischen Leidenschaft wenig Verständnis entgegen: Matrosen benutzten einen Teil seiner grünen Schätze zum Feuermachen. Danach ließ er Samen und Setzlinge nicht mehr aus den Augen. In Brasilien erschrak er vor der »riesenhaft wuchernden organischen Natur«. In Kalifornien katalogisierte er, beäugt von Ureinwohnern, unter anderem die »Eschscholzia californica«, eine Goldmohnart, auch Schlafmützchen genannt, die heute das kalifornische Wappen ziert. »Bedenke ich die misslichen Umstände«, zog Chamisso in einem Reisebericht Bilanz, »so ist meine Kollektion recht beachtlich.« Als er nach drei Jahren wieder in Berlin eintraf, hatte er um die 2500 Pflanzenarten im Gepäck.

»Grünes Gold - Abenteuer Pflanzenjagd«, Palmengarten Frankfurtam Main, vom 9. August bis zum 2. Dezember 2001.

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