Energiekrise Japan prüft Verlängerung der Laufzeiten alter Kernkraftwerke

Durch den Krieg gegen die Ukraine sind die Energiepreise auch in Japan gestiegen. Eine Lösung sieht die Regierung insbesondere in der Atomkraft – einem Bericht zufolge sollen Meiler dafür länger am Netz bleiben dürfen.
Kernkraftwerk Ikata in Japan (Bild von 2016)

Kernkraftwerk Ikata in Japan (Bild von 2016)

Foto: imago stock&people / AFLO / IMAGO

Viele Länder beraten gerade darüber, wie sich der Energiebedarf decken – und bezahlen – lässt. Japan zieht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge in Betracht, einige Kernreaktoren länger laufen zu lassen – über die derzeitige 60-Jahres-Grenze hinaus. Das Land konzentriere sich zunehmend auf Atomkraft als Lösung für die Energieversorgung.

Laut einem Dokument aus dem Handelsministerium prüfe die Behörde nun einen Plan, nachdem abgeschaltete Reaktoren von der bestehenden Begrenzung der Lebensdauer ausgenommen werden sollen. Dadurch könnten einige Anlagen länger betrieben werden, berichtet Bloomberg. Für Inspektionen durch die lokale Atomaufsichtsbehörde oder aufgrund von Rechtsstreitigkeiten würden Reaktoren oft jahrelang abgeschaltet. Bereits im August wurde die Idee der Laufzeitverlängerung öffentlich.

Japan erlebte 2011 mit Fukushima eine der schlimmsten Atomkatastrophen. Dennoch befürworten die japanische Öffentlichkeit ebenso wie die Regierung die Nutzung von Kernenergie, heißt es bei Bloomberg. Das Land hatte demnach in diesem Jahr mit teureren Preisen für fossile Brennstoffe infolge des russischen Krieges in der Ukraine sowie mit einem schwachen Yen zu kämpfen. Die japanische Regierung habe die Bevölkerung wiederholt aufgefordert, Strom zu sparen.

Die Vorschläge des Handelsministeriums sehen Bloomberg zufolge auch vor, dass neue Kernreaktoren der nächsten Generation an Standorten gebaut werden sollen, an denen bestehende Reaktoren stillgelegt werden.

Im August hieß es bereits, das Land wollte den Anteil der Kernenergie an der Energieversorgung auf mehr als ein Fünftel steigern. Nachdem es bislang vor allem um eine Wiederinbetriebnahme von nach dem Unfall abgeschalteten Meilern gegangen war, wurde dann auch der Bau neuer Kernkraftwerke diskutiert.

Neuartige Leichtwasserreaktoren

Japanische Hersteller hatten Pläne zur Entwicklung von Reaktoren der nächsten Generation für dieses Jahr angekündigt. Wie die japanische Wirtschaftszeitung »Nikkei« im September berichtet hatte, wollten der Industriekonzern Hitachi und sein US-Partner General Electric einen neuartigen Leichtwasserreaktor entwickeln. Dabei würden Sicherheitsprobleme gezielt angegangen, die 2011 zum GAU im Atomkraftwerk Fukushima beitrugen. Zuvor hatte der Konzern Mitsubishi Heavy Industries bekannt gegeben, ebenfalls einen neuen Leichtwasserreaktor entwickeln zu wollen.

ani
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